Die Schwiegermutter einer Freundin…

Die zweite Schwiegermutter

Als ich mit meiner FrauGretchen die Wohnung betrat, sah ich sofort die Stiefeletten meiner Schwiegermutter, die mitten im Flur standen. Es wurde klar: Entspannen würden wir hier nicht können.

Frieda Viktorija trat aus der Küche, den Blick einer Richterin, die gerade ein Urteil verkündet hat.

Wieder bei dieser ungeschickten alten Frau? fragte sie. Haus, Mann, Kind das alles liegt jetzt im Müll. Gut, dass ich vorbeigeschaut habe, sonst säßen sie noch hungrig da.

Frieda Viktorija, Klaus wusste, dass ich heute später komme. Das Abendessen habe ich bereits zubereitet, er muss es nur noch aufwärmen. Er könnte das ganz allein schaffen, auch ohne Ihre Hilfe, erwiderte Gretchen.

In den zehn Jahren, die sie mit Klaus verheiratet war, hatte sie schon längst gelernt, dass die Schwiegermutter immer etwas zu meckern hat. Ihre Worte ging sie kaum mehr nach wie ein Radio, das den ganzen Tag dröhnt, ohne dass man ihm wirklich lauscht.

Am Anfang war alles viel schwieriger. Frieda Viktorija war die zweite Schwiegermutter, die Gretchen kennenlernte. Die erste, Brunhilde Semenova, war eine taktvollere Frau. Sie drang nie in das Familienleben ihres Sohnes ein, gab keine ungebetenen Ratschläge und kam nicht unangemeldet vorbei.

Doch wenn Hilfe nötig war, war sie sofort zur Stelle. Gretchen erinnerte sich, wie Brunilde nachts mit der dreimonatigen Katharina auf dem Sofa saß, wenn das kleine Mädchen Tag und Nacht verwechselte. Wie sie die Enkelin zum Spaziergang abholte und Gretchen beruhigte:

Mach jetzt gar nichts, leg dich hin und schlaf. Lukas kommt, er kocht das Abendessen selbst.

Als Katharina fünf Jahre alt wurde, ereignete sich ein Arbeitsunfall bei Alexander, und Gretchen blieb verwitwet zurück.

Brunilde Semenova, die ihren einzigen Sohn verloren hatte, ließ ihre Schwiegertochter und das Enkelkind in dieser harten Zeit nicht allein. Die ersten drei Monate nach dem Tod teilten sie eine kleine Wohnung und unterstützten einander.

Gretchen bot Brunilde an, weiter zusammenzuwohnen, doch die ältere Frau zog in ihre eigene Wohnung:

Gretchen, du bist erst achtundzwanzig, du junge Frau, du wirst noch dein Glück finden. Warum sollte ich mich noch in deine Fußstapfen setzen?

Gretchen hatte Klaus schon drei Jahre hinter sich, doch Brunilde verließ sie nicht. Ihre Eltern wohnten weit entfernt, sodass die erste Schwiegermutter fast zur zweiten Mutter wurde, während Katharina kaum noch ihre Großmutter hörte.

Daher schockierte Frieda Viktorias Haltung, sich in Gretches Wohnung wie die Herrin einzumischen, sie zutiefst. Nach dem ersten Besuch der zweiten Schwiegermutter bat sie Klaus, seiner Mutter zu erklären, dass sie nur als Gast komme und Besuche vorher abzusprechen seien.

Auf Friedas Behauptung, sie wolle nur helfen und handle aus reinen guten Motiven, antwortete Gretchen:

Ich bin nicht mehr achtzehn. Schon damals, als ich von zu Hause wegzog, war ich ziemlich eigenständig. Und nach sieben Jahren Ehe muss man mir nicht mehr beibringen, wie man kocht oder die Wohnung putzt. Ich kann selbst viel beibringen.
Ich komme zu Ihnen, Frieda Viktorija, gehe durch die Räume mit einem sauberen Tuch ich mache Ihren Inspektor.

Klaus unterstützte seine Frau, und wenn die Schwiegermutter mal wieder die Grenzen überschritt, regelte er das selbst.

Letztlich lehrte Gretchen die zweite Schwiegermutter, sich nicht in die Haushaltsführung und Kindererziehung einzumischen. Als ein Jahr nach der zweiten Hochzeit ihr Sohn geboren wurde, zog Frieda mit ihren Ratschlägen kaum noch ein. Und doch wollte sie es.

Der Grund: Frieda hatte eine Freundin, die ständig von der Erziehung des jüngeren Schwiegersohns berichtete. Frieda wollte ebenfalls etwas weitergeben, hatte aber nichts, womit sie prahlen konnte. Ihre einzige Macke war, dass sie Gretchen ständig kritisierte, weil sie Brunilde besuchte und ihr half.

Wäre doch schön, wenn diese alte Frau eine Verwandte wäre! Als Katharina noch klein war, schickte ich sie im Sommer zu meiner Mutter das war gut.
Jetzt geht das Mädchen zur Schule, und Gretchen fährt ständig hin und her. Es ist schon Jahre her! Und sie taucht zweimaldreimal pro Woche bei ihr auf, klagte sie ihrer Freundin.

Im letzten Jahr besuchte Gretchen die erste Schwiegermutter sogar häufiger. Frieda nannte Brunilde die Alte, obwohl diese nur sieben Jahre älter war.

Das Schicksal schlug zu: Brunilde erkrankte schwer. Gretchen besuchte sie im Krankenhaus und zu Hause.

Du verschwendest das Familieneinkommen an Fremde, tadelte die Schwiegermutter.
Keine Sorge, Frieda Viktorija, Brunilde hat ihr Landhaus verkauft, sie hat genug Geld für die Behandlung, und sie wird nicht von Ihnen leihen, erwiderte die Schwiegertochter.

Als Brunilde sehr schwach wurde, stellte Gretchen eine Pflegekraft ein und nahm sich eine Auszeit, um halbtags bei ihr zu sein, während Klaus arbeitete und der Sohn in der Schule war. Doch diese Regelung verzögerte nur den unvermeidlichen Abschied bald war Brunilde nicht mehr unter uns.

Jetzt interessierte sich Frieda brennend für das Erbe der ersten Schwiegermutter.

Sie hat das Landhaus verkauft, aber das Geld hat sie nicht komplett ausgegeben. Und ihre Rente war ganz gut da gibt es sicher Ersparnisse.
Die Zweizimmerwohnung geht sicher an die Erben, überlegte Frieda, doch Gretchen wagte nicht, sie zu fragen, aus Angst.

Stattdessen richtete sie die Frage an den Sohn, und die Antwort beruhigte sie nicht.

Auf wen ist das Testament ausgestellt? Natürlich auf Katharina sie ist die leibliche Enkelin.
Und was ist mit Svetka, warum rannte ich zur Alten? erstaunte die Mutter. Ach ja, das wird sie noch weinen hören!

Mach dir keine Sorgen um mich, sagte Gretchen zur Schwiegermutter. Ich wusste schon lange, dass Brunilde alles an Katharina vererben würde. Ich brachte sie noch vor einem Jahr zum Notar.
Warum hast du um sie herumgetänzelt, obwohl du wusstest, dass dir hier nichts kaputtgeht? fragte Frieda verwundert. Lass Katharina doch einfach die Pflege übernehmen.
Ich würde es euch erklären, fürchte aber, ihr versteht es nicht, erwiderte Gretchen.

Zum richtigen Zeitpunkt wurde das Erbe geregelt, Katharina erhielt alle Unterlagen zur Wohnung und den Geldanteil. Man beschloss, dass die Wohnung vermietet wird, solange sie im Studentenwohnheim lebt, und die Miete auf ihr Konto fließt. Sobald sie ihr Studium beendet hat, darf sie selbst entscheiden: zurück in ihre Heimatstadt ziehen und dort ein neues Heim kaufen oder in der Großstadt bleiben und die Wohnung verkaufen, um eine neue zu erwerben.

Als Frieda hörte, dass die Wohnung vermietet werden soll, schlug sie vor:

Warum fremde Leute reinlassen? Die machen nur noch mehr Schaden. Lass doch Kira dort wohnen.

Die fünfunddreißigjährige Kira, Friedas jüngere Tochter, lebte noch immer bei ihrer Mutter. Sie war attraktiv, hatte eine gute Figur, ein Studium abgeschlossen und einen Job. Romantische Abenteuer hatte sie hin und wieder, doch eine Heirat kam nicht zustande.

Frieda sorgte sich natürlich um ihre Tochter.

Warum hat Kira kein Glück? Gretchen ist verwitwet, hat ein Kind und hat doch meinen Klaus verführt!, dachte die Frau.
Sie glaubte, wenn Kira ein eigenes Haus hätte, könnte sie heiraten.

Es ist egal, dass das Apartment jetzt Katharina gehört. In dreivier Jahren kann alles passieren vielleicht findet Katharina einen Mann mit einer Wohnung, dann kann man ihr das Haus für Kira überreden. Frieda schwieg jedoch über diese Pläne.

Wie enttäuscht war sie, als Katharina Kira nicht in ihre Wohnung ließ!

Er wird nicht so viel zahlen wie andere Mieter, sagte Katharina. Ich will später eine Hypothek aufnehmen. Vielleicht ziehe ich nach Berlin, wenn das Studium vorbei ist, und das Geld soll sparen.
Gierige Katharina, du denkst nur an dich, schimpfte Frieda. Ihr denkt beide nur an eure eigenen Vorteile. Wenn Kira in den nächsten drei Jahren heiraten könnte, wäre das Haus ja ihr.

Mama, du hast doch die Dreizimmerwohnung, schlug Klaus vor. Verkaufe sie, kaufe eine Einzimmerwohnung und gib Kira das Geld.

Interessant, Klaus, brüllte seine Mutter, das ist meine Dreizimmerwohnung, ihr habt keinen Anteil daran. Warum soll ich im Alter in ein enges Zimmer ziehen? Ich habe mein ganzes Leben hier gewohnt und ziehe nicht um.

Das ist nicht Klaus, das bist du, unterbrach Gretchen. Du willst deine eigene Wohnung nicht dem eigenen Kind geben, doch für fremde Menschen lügst du den Mund auf.

So blieb Kira bei ihrer Mutter, während Katharina die Wohnung vermietete, bis sie ihr Studium beendet hatte, dann verkaufte sie sie und kaufte in der Region ein neues Heim. Auch ein kurzer Besuch in Berlin stand an, aber nur für eine Woche. Wie man so sagt: Schön ist, wo man nicht ist

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Homy
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