Oma gab ihrem Mann Geld für den Bus. Kurz darauf kamen ungebetene Gäste.

Greta Schmidt hatte ihr ganzes Leben als Grundschullehrerin gearbeitet, doch die kleine Rente reichte kaum, also verkaufte sie jetzt Gemüse auf dem Wochenmarkt. Ihr Schwiegersohn hatte eine neue Frau in die Wohnung gezogen, und ihre Tochter Liesl kam mit Enkelkind zurück zu ihr. Greta half, wo sie nur konnte.

Mutter, es ist mir ein bisschen unangenehm, dich so zu sehen. Du bist den ganzen Tag auf dem Feld und dann noch hier auf dem Markt, sagte Liesl. Du solltest dich lieber ausruhen.

Ach, mein Kind, solange ich noch Kräfte habe, helfe ich dir gern mit dem Enkel. Und ihr drei liegt ja nicht auf der faulen Haut ihr habt die Hälfte der Stadt in ein paar Tagen schon umgegraben! Alleine schaff ich das nicht, erwiderte Greta. Und für Leni braucht es neue Stiefel. Sie kann doch nicht in den alten Schuhen zur Schule gehen, oder?

So lebten sie gemeinsam, halfen einander und träumten davon, dass eines Tages auch ihre Straße ein Fest erlebt. Wenn Liesl nicht ständig um Hilfe flehte, wäre das alles nicht so mühsam.

Eines Morgens schlug Greta ihren Stand auf. Die Lage war prima, die Kunden strömten herbei. Das bemerkten auch die anderen Händler, darunter ihre ehemalige Kollegin Ursula. Diese schob sich kurzerhand an Greta vorbei.

Wieso schläfst du denn noch? Entschuldigung, ich habe gerade deinen Platz eingenommen. Ich brauche noch eine halbe Stunde zum Aufbauen, und dann noch einmal eine Stunde zum Auspacken. Du musst also heute wohl einen anderen Platz suchen, sagte Ursula ohne Groll.

Greta stritt nicht mit ihr das war nicht ihr Wesen. Sie richtete ihren Stand etwas weiter hinten ein und stellte ihre Ware aus. Neben ihr hatte bereits eine Nachbarin einen Stand aufgebaut.

Wie gehts deinem Schwiegersohn? Ist er noch nicht zurückgekommen?, fragte Tanja, die Nachbarin, neugierig.

Er ist nicht zurück, seufzte Greta. Er hat jetzt sein eigenes Leben.

Junge Leute wollen heute keine Familie, keine Kinder. Sie wollen einfach nur ihr eigenes Ding. Mein Sohn ist immer noch unverheiratet und läuft nur noch von einem Berg zum nächsten, klagte Tanja.

Die Zeit verging wie im Flug, während die beiden plauderten. Nach dem Mittagessen tauchte plötzlich ein junger Mann in seltsamem Outfit auf.

Wie sitzt du denn hier? rief Ursula überrascht, und alle Händler warfen ängstlich einen Blick auf den Neuankömmling.

Der junge Mann ging zu Gretas Stand, griff in die Taschen und fragte schüchtern:

Tante, ich habe überhaupt kein Geld. Darf ich bei Ihnen ein paar Äpfel auf Kredit bekommen?

Nimm, was du brauchst, sagte Greta lächelnd. Aber warum hast du überhaupt kein Geld?

Ich muss immer noch von hier nach dort pendeln, das ist nicht gerade in der Nähe. Keine Sorge, ich bin kein Verbrecher. Ich habe mich nur ein bisschen daneben benommen und deswegen ein paar Jahre im Gefängnis verbracht, erklärte er.

Können dir deine Verwandten nicht helfen? Warum musst du allein nach Hause fahren?

Ja, die können helfen, aber mir ist es zu peinlich, sie anzurufen. Ich will sie mit einer Überraschung besuchen.

Wo hin? fragte Greta.

Nach Köln.

Ein weiter Weg!

Kurz darauf verließ der frühere Häftling das Markgelände wieder. Am Rande des Platzes stand ein Bahnhof. Greta sah, wie er mit dem Zugführer sprach, dann drehte er sich zu ihr um.

Tante, leihen Sie mir bitte etwas Geld. Sonst sehe ich mein Zuhause nie wieder. Keine Sorge, ich zahle zurück, sobald ich etwas verdiene, bat er mit flehenden Augen.

Wie viel brauchst du?

Tausend Euro!

Unter den erstaunten Blicken der anderen Händler reichte Greta ihm großzügig einen Geldschein.

Lauf nicht zu Fuß nach Köln, nimm das Geld. sagte sie.

Vielen Dank! Ich werde es zurückzahlen, versprochen!, rief der junge Mann. Ich heiße Paul, und wie heißen Sie?

Greta Schmidt, antwortete sie.

Danke, Greta Schmidt!, wiederholte Paul und eilte zum Bus.

Ach, Greta, du bist doch verrückt! Der wird das Geld nie zurückzahlen!, schimpfte Tanja.

Wir müssen einander doch helfen, wir sind doch keine Tiere, erwiderte Greta.

Und er ist kein normaler Mensch. Ein Ex-Häftling ist immer ein Häftling selbst in Afrika!, fügte Tanja spöttisch hinzu.

Greta winkte Tanja zu und machte sich auf den Heimweg.

Am Wochenende bekam Liesl Fieber. Greta sammelte allerlei Kräuter vom Garten und pflegte ihre Tochter, so gut es ging.

Am Abend kam die Enkelin Lina mit einem Buch, zog Greta am Ärmel und flüsterte:

Oma, kannst du mir eine Geschichte vorlesen?

Natürlich, mein Schatz, sagte Greta, strich ihr über den Kopf und begann zu lesen.

Draußen begann es zu regnen. Während das Feuer im Ofen knisterte, deckte Liesl den Tisch. Die Familie setzte sich zum Abendessen. Plötzlich klopfte es an der Tür.

Die Frauen sahen sich überrascht an niemand wurde erwartet.

Darf ich reinkommen? öffnete Greta die Tür und ein unbekannter Mann trat ein. Sie musterte ihn kurz und plötzlich fiel ihr ein Wort ein:

Paul?

Ja, das bin ich, Greta Schmidt. Entschuldige, dass ich das Geld noch nicht zurückgezahlt habe. In letzter Zeit hat sich so einiges angehäuft.

Wenn ich dich nicht an deinen Augen erkennen würde, hätte ich dich gar nicht wiedererkannt!, lachte Greta. Du siehst aber ganz ordentlich aus Anzug, Frisur, fast schon ein Model!

Setzt euch doch zu uns ans Essen, bot Liesl ein wenig verlegen an.

Am Tisch erzählte Paul seine Geschichte, wie er wegen eines Fehltritts drei Jahre hinter Gittern saß.

Jetzt habe ich wieder einen Job als Oberarzt, also wenn ihr mal etwas braucht, könnt ihr gerne in meine Klinik kommen, schloss er mit einem interessierten Blick zu Liesl.

Eine Woche später fuhr ein bekanntes Auto vor Grejas Haus parken und ein Mann stieg aus, ein großer Blumenstrauß in den Händen.

Tochter, schau aus dem Fenster! Dein Bräutigam ist da, rief die Mutter durch den Vorhang. Wird das Fest bald stattfinden?

Na, das heißt, unser Fest hat endlich die Straße erreicht!, lachte Liesl und drückte die kleine Lina fest an ihr Herz.

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Homy
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Oma gab ihrem Mann Geld für den Bus. Kurz darauf kamen ungebetene Gäste.
Zu Hause gab es nicht immer genug zu essen. Meine Mutter tat ihr Bestes, aber manchmal reichte das Geld nicht einmal für ein Brötchen. Fast jeden Tag ging ich also mit leerem Magen und ohne Pausenbrot zur Schule. In der großen Pause holte ich mein Mathematikbuch hervor und tat so, als würde ich fleißig lernen, damit niemand merkte, wie hungrig ich war. Eines Tages kam der neue Lehrer zu mir und fragte: „Warum isst du eigentlich nie in der Pause?“ Nervös sagte ich ganz schnell: „Ich will der beste Schüler werden, Herr Lehrer. Ich nutze lieber die Zeit.“ Der Lehrer sah mich lange an und meinte nur: „Aha, ich verstehe…“ Dann ging er weg, und ich dachte, er hätte mir geglaubt. Also blieb ich weiter mit meinem Buch sitzen, während mein Magen knurrte und ich meinen Mitschülern beim Essen zusah. Kurze Zeit später kam der Lehrer mit einer Tüte aus der Cafeteria zurück, stellte sie vor mich hin und sagte beiläufig: „Ich habe mir zu viel genommen, das schaffe ich nie. Nimm ruhig, hilf mir.“ Drinnen waren ein Haferbrötchen, ein Saft und sogar ein Stück Obst – ein richtiges Pausenbrot. Ich nickte nur und als der Lehrer außer Sicht war, schloss ich schnell mein Buch und aß gierig, als hätte ich tagelang nichts bekommen. Ich habe es ihm nie erzählt. Nie gesagt, dass dieses Brötchen das Einzige war, was ich den ganzen Tag gegessen habe. Nie zugegeben, dass ich gelogen habe, um mich nicht zu schämen. Heute, viele Jahre später, erinnere ich mich noch immer an dieses Frühstück. Nicht wegen des Brötchens oder des Safts, sondern weil jemand meine Not gesehen hat und mich nicht bloßgestellt hat. Er hat mir geholfen, ohne Fragen zu stellen, ohne mich vorzuführen, ohne Anerkennung zu wollen. Er hat mir mit Respekt geholfen. Seitdem habe ich ihn mit anderen Augen gesehen. Denn ich habe verstanden: Es gibt Menschen, die müssen nicht viel fragen, um Großes zu tun.