Komm, Balu, los! rief ich meinem treuen Freund zu.
Der Hund sprang freudig mit dem Schwanz. Diese Ausflüge in den Wald waren unser gemeinsames Vergnügen: Ich sammelte Pilze, und Balu erschnupperte neue Düfte und jagte Eichhörnchen.
Der Morgen war besonders kühl, doch sonnig, mit leichtem Nebel über den Kiefernspitzen. Perfektes Wetter für ein leises Pilztreiben, wie wir Sammler nennen. Ich packte schnell: Thermosflasche mit Tee, ein paar Butterbrote, ein Messer, einen Korb. In letzter Minute steckte ich ein altes Notizbuch mit Bleistift in den Rucksack Gewohnheit eines Kartographen, stets etwas zum Schreiben dabeizuhaben.
Die ersten zwei Stunden vergingen großartig. Der Korb wurde schwer von festen Steinpilzen und goldgelben Pfifferlingen. Balu lief mal voraus, mal zurück zu mir und bellte fröhlich über jede Entdeckung.
Was, Kumpel, noch eine Stunde und dann nach Hause? streichelte ich ihm den Hals, zog mein Handy heraus, um ein besonders schönes Pfifferlingsbündel zu fotografieren.
Kein Netz, blinkte das Display gleichgültig.
Kein Problem, bald haben wir Empfang, murmelte ich, drückte das Foto und verstaute das Handy wieder in die Tasche.
Wir drangen in einen unbekannten Teil des Waldes vor. Dort wuchsen die Bäume so dicht, dass die Kronen kaum Sonnenlicht durchließen. Unter den Füßen lagen umgestürzte Stämme, bedeckt mit Moos.
Balu, rechts! befahl ich, ein leichtes Unbehagen im Bauch spürend.
Plötzlich rutschte ich auf einem nassen Baumstamm aus. Ein stechender Schmerz durchzog mein Sprunggelenk, die Sicht verfinsterte sich. Ich fiel, versuchte mich an etwas festzuhalten, aber nur die lockere Schnürung meines Rucksacks löste sich und die Sachen flogen umher.
Verdammt fluchte ich, während ich mich aufraffen wollte. Das Bein gehorchte nicht.
Balu jaulte besorgt und stupste mich mit der Nase.
Ruhig, Freund, ganz ruhig versuchte ich zu lächeln, doch nur ein schmerzverzerrtes Gesicht kam heraus.
Die Zeit schlich dahin Die Sonne wanderte langsam zum Horizont. Jeder Versuch aufzustehen oder wenigstens zu kriechen scheiterte jede Bewegung war von solchem Schmerz begleitet, dass ich das Bewusstsein zu verlieren drohte.
Kennst du dieses Gefühl der Hilflosigkeit, wenn du merkst, dass du es allein nicht schaffst? Genau das durchlebte ich.
Denk nach, Alex, denk nach flüsterte ich, um klar zu bleiben.
Mein Blick fiel auf die verstreuten Gegenstände das Notizbuch, den Bleistift, das Handy ohne Empfang. Und Balu, der keinen Schritt von mir wich. Eine Idee keimte plötzlich
Balu, zu mir! meine Stimme zitterte, doch der Befehl war klar.
Der Hund kam, blickte mir treu in die Augen.
Mit zitternden Händen zerriss ich eine Seite aus dem Notizbuch. Wenn Sie diesen Zettel finden bitte helfen Sie! die Buchstaben zitterten, doch ich schrieb leserlich. Ich bin im Wald, Bein gebrochen, kein Empfang. Ungefährer Standort: Quadrat 2526, nahe alter Holzfläche Nachdem ich ein paar Zeilen fertig hatte, las ich sie zufrieden noch einmal.
Balu wartete geduldig, während ich den Rucksack wieder auf meinen Rücken schlang.
Hör gut zu, Freund. zog ich Balus Nase an mein Gesicht. Das Wichtigste jetzt ist: nach Hause! Verstanden? NachHaus!
Balu stöhnte leise, wollte mich nicht verlassen.
Nach Hause, Balu! Schnell!
Der Hund machte ein paar unsichere Schritte, sah sich um.
Vorwärts! mein letzter Befehl klang rau.
Und Balu rannte. Man sagt, Hunde spüren unseren Schmerz. Vielleicht können sie deshalb solche Heldentaten vollbringen? Oder einfach die Liebe macht uns stärker egal wie viele Beine wir haben.
Ich lehnte mich an einen alten Tannenstamm. Die Dämmerung verdichtete sich. In der Ferne rief eine Eule. Das Bein pochte vor Schmerz, doch ich dachte nur an eins: Balu schafft das, er muss es schaffen. Jetzt blieb nur noch zu warten und zu hoffen.
Schwitzige Pfoten glitten über das nasse Gras. Balu atmete schwer, aber er lief beharrlich weiter, einen abgenutzten Rucksack auf dem Rücken. Eine ganze Stunde ohne Pause, ohne Wasser, ohne Rast. Nur vorwärts zu den Menschen, zu Hilfe.
Nach Hause, Balu, nach Hause! hallte meine heisere Stimme in meinem Kopf. Und der Hund ging weiter, trotz schmerzender Pfoten, durch Gestrüpp, dichten Unterholz, über Müdigkeit und Angst.
Es dämmerte, als vorne Lichter aufblitzten. Ein Polizeiwagen hielt abrupt, beinahe den erschöpften Hund zu streifen. Der erste auszusteigende junge Leutnant Thomas Köhler:
Hey, du, woher kommst du?
Balu erstarrte, blickte wachsam den Soldaten an. In seinen Augen lag ein stummes Flehen verstehe mich, hilf mir, beeUnd so wurde Balu nicht nur zum Retter seines Besitzers, sondern auch zum unvergesslichen Helden der kleinen Stadt, dessen Tapferkeit noch lange in den Herzen der Menschen nachhallte.





