KinderliebeAls sie das alte Tagebuch fanden, erinnerte sich Emma an die unerschütterliche Freundschaft, die ihr Herz seit ihrer Kindheit erwärmte.

Mama, zieh mir morgen das blaue Hemd an, ich will damit in den Kindergarten gehen.
Blau? Warum das denn?
Weil Lina Hoffmann gesagt hat, es steht mir gut, es passt zu meinen Augen!
Wenn Lina es sagt, dann ziehst du morgen das blaue Hemd an.

Lukas, zufrieden, lief zu seinem älteren Bruder Felix, der schon zur Grundschule ging.

Am Abend erzählte die Mutter dem Vater von dem blauen Hemd und wie es zu Lukas Augen passen würde. Der Vater lachte leise, strich dem Jüngsten über den Kopf und fragte:
Gefällt dir Lina?
Ja, ich will sie heiraten, sobald ich das Hemd trage.
So schnell? Zuerst musst du noch lernen, zur Schule gehen, dann erst heiraten.
Ach, das dauert ewig

Lukas dachte nach.

Vater, darf ich morgen Lina heiraten?
Morgen? Wo wollt ihr dann wohnen, mein Sohn?
Zu Hause. antwortete er überrascht.
Wessen Haus? hakte der Vater nach. Linas?
Nein, Papa! die Augen des Kleinen weiteten sich. Lina wohnt bei ihrer Mutter, ich bei meiner.
Das geht nicht, Lukas. Wenn du heiratest, musst du Lina zu dir holen, mit ihr zusammenleben, arbeiten, und Lina wird später in den Kindergarten, dann in die Schule und schließlich an die Universität.
Aber seine Stimme bebte vor Tränen.
Du musst arbeiten, um eine Familie zu ernähren.

Warum weinst du, mein Schatz? setzte die Mutter sich zu ihm.
Mami, ich will Lina heiraten, aber ich will jetzt nicht arbeiten, ich will noch in den Kindergarten, dann lernen, und Papa hat gesagt uuuh
Du wirst groß und dann Lina heiraten.
Ja, ich warte, bis ich groß bin, dann nimmt mich jemand anderes mit.

Wer denn?
Keine Ahnung, vielleicht Sascha oder Nils.
Dann brauchst du Lina gar nicht, wenn sie jemand anderem weggeschnappt wird

Am Morgen trat Lukas entschlossen zu dem Mädchen im roten Samtkleid mit einer riesigen Schleife in den langen hellen Haaren, ergriff ihre Hand und flüsterte:
Ich heirate dich, Hoffmann!
Sie sah ihn einen Moment an, wandte dann das Gesicht ab und sagte:
Nein!
Lukas sprang nach vorn, stampfte mit dem Fuß und rief:
Ich habe gesagt, ich heirate dich! Aber nicht jetzt, okay, Lina? er hielt ihre Hand, sah ihr tief in die Augen später, gell?

Warum nicht jetzt? fragte das Mädchen erstaunt. Nils und Lotte haben gerade geheiratet.
Die nur zum Spaß, wir heiraten richtig!
Gut! nickte das Mädchen, und Hand in Hand liefen die beiden weiter, um zu spielen.

In der Schule bat Lukas die Lehrerin, ihn neben Lina sitzen zu lassen. Die Lehrerin weigerte sich, setzte Lina mit einem anderen Jungen. Lukas setzte sich trotzig trotzdem neben Lina.
Ich heirate dich, Hoffmann, wenn wir groß sind.

Hahaha, kicherten die anderen Kinder, Zuckerwatte, Bräutigam und Braut!

Kinder, Ruhe!, rief die Lehrerin streng. Wie heißt du?
Lukas.
Lukas, du bist noch zu jung für solche Gedanken, setz dich bitte zurück.
Nein! Lina, sag, dass ich dich heirate.

Lina lächelte leise.
Und, was antwortet ihr? fragte die Lehrerin.
Wir heiraten richtig, wenn wir erwachsen sind, nicht wie Nils und Lotte, die nur im Kindergarten spielen.
Die Lehrerin dachte nach, seufzte und ließ die beiden zusammen sitzen.

Lina war die Königin von Lukas Herz. Er trug ihr den Ranzen, beschützte sie vor Hunden, Rabauken und sogar vor strengen Lehrern. Einmal fiel sie und verletzte das Knie, Lukas schleppte sie zum Schulsanitätsraum.

In der Oberstufe gestand er ihr endlich seine Liebe richtig und ernst.

Und Lina? Sie lächelte nur, hob stolz das Haupt.

Ich heirate dich trotzdem, Hoffmann!, rief er ihr nach, als sie ging.

Ein neuer Verehrer trat auf Jens, der Boxer, fuhr einen alten VW Transporter, lernte an der Fachschule Mechanik.

Lukas bekam viele blauen Flecken, doch er blieb bei Lina.

Eines Tages sah er drei Gestalten stehen.
Wir werden kämpfen, dachte Lukas, versteh mich nicht falsch.

Ein junger Mann löste sich lässig von einer Mauer, kam heran:
Hey, Kleiner, komm her.
Geh weg.
Du bist frech.
Ich bin nicht klein, ich habe einen Namen.
Hör zu, Junge, lass das Mädchen in Ruhe. Sie ist meine Freundin.
Wo ist dein Freund? Hast du Angst zu reden? Sag ihm, wenn er nicht von meiner Freundin lässt, gibt es Ärger.

Der andere drehte sich um, ging zur Hausmauer. Lukas spürte den Ärger, aber blieb still, wissend, dass jeder Moment die Gruppe zuschlagen könnte.

Plötzlich griffen sie ihn von hinten an, ungleich stark, und ein Schrei drang zu Lukas Ohren.

Es war Lina, die mit einer gezackten Hecke voller Nägel durch die Menge rannte, laut schreiend, die Hecke schwingend, um die Angreifer zu verscheuchen. Ihr Bruder Felix und dessen Freund kamen zur Rettung, gerufen von Lotte, Linas Freundin.

Zum ersten Mal küsste sie ihn.

Am Abend, nach dem Waschgang, brachte Lotte grüne Salbe, die sie großzügig über die verletzten Jungen schmierten.

Sie saßen zusammen, lachten, Lukas lachte trotz der Schmerzen lauter und ansteckender als alle.

Als die Menge Lina zum Abschied begleitete, drehte sie sich zum Balkon und rief:
Tut dir noch weh, Lukas?
Nein, schüttelte ein Junge den Kopf, alles gut.

Lina stellte sich auf die Zehenspitzen, küsste ihn, und die anderen wichen respektvoll zurück.
Entschuldige mich, Lukas
Warum entschuldigen? Du bist meine Retterin, du hast die Hecke wie Bruce Lee geschwungen. Ich will dich heiraten.
Lina lachte: Ach du Spaßvogel.

Später kam die Verabschiedung zum Wehrdienst.

Lina weinte nicht laut, hängte nicht an Lukas Schulter, sie standen einfach immer nebeneinander.

Denk dran, ich komme zurück und heirate dich, verstehst du?
Ja, sagte sie zum ersten Mal seit dem Kindergarten klar: Lukas.

Ich habe eine Frage, Lina.
Frag!
Liebst du mich? flüsterte sie und vergrub ihr Gesicht in den Händen.

Lina, bist du verrückt? Hast du das nicht verstanden? Ich will dich mein ganzes Leben heiraten! Natürlich liebe ich dich, du kleine Narren.

So flogen Briefe hin und her, jeder enthielt das Wort Liebe.

Dann hörte der Briefverkehr auf.

Verzweifelt warteten die Eltern und Lina, keine Post kam. Im Fernsehen sah man Junge, schmutzig, zerlumpt, aber fröhlich und lebendig, die gegen das Böse kämpften.

Plötzlich erreichten drei Briefe Vater, Lina und dem älteren Bruder.

Lukas schrieb einen lustigen Brief, erzählte vom Einsatz im hohen Norden, wo er Pinguine gesehen haben soll. Er schickte viele Geschichten, die Eltern und Lina zum Lachen und Weinen brachten.

Am Abend las Lina den Brief ihren Eltern vor, alle lachten.

Lina, fragte der jüngere Bruder, wo ist Lukas, in Amerika?
In welchem Amerika?, lachte Linas Mutter, du meinst doch, Lukas ist bei der Bundeswehr.

Der Bruder erzählte Lina, dass Pinguine nicht im hohen Norden leben, also fragte er, wo Lukas sei. Nur der Bruder wusste es.

Als Kinder hatten die beiden einen Geheimcode erfunden, mit einem einzigen Wort konnten sie einander den Aufenthaltsort verraten ein Wort, das tausende Mütter nachts wach hielt, die ihre Söhne in den Krieg schickten.

Der Bruder weinte, biss die Faust und steckte den Kopf unter das Kissen, unfähig, wie einst zu helfen. Er weinte vor Hilflosigkeit, vor Angst um den Jüngeren, vor allem, was geschah

Felix schrieb einen fröhlichen Brief an Lukas, weil es nötig war. Am Ende stand: Vergiss nicht, du willst Lina heiraten, sonst nimmt sie die Hecke und holt dich.

Wieder keine Briefe

Im Fernsehnachrichtenbericht zeigte man ein kleines Segment: Jungen Soldaten, im Kampf gehärtet.

Lukas, rief die Mutter, ihr Herz sackte, da ist Lukas, mein Sohn!

Er drehte sich um, lächelte breit, Grübchen in den Wangen.

Ein Rettungswagen fuhr zu Lukas Haus, die Mutter wurde blass.

Er ist noch da, er lebt, sagte der alte, müde Arzt, wartet zu Hause, euer Soldat kommt bald zurück.

Lina konnte nicht schlafen, die Mutter trank ihr Tee und beruhigte sie.

Vater rauchte, stand mit Bruder auf dem Balkon, schweigend.

Wusstest du? fragte Vater.
Ja.
Gut.

Linas Vater, der einst fremdes Land verteidigt hatte, streichelte die Schulter, wo einst eine Kugel gesessen hatte.

Nichts, mein Sohn, wir schaffen das. Halt durch, junger Mann!

Der jüngste Bruder flüsterte: Wird er nicht sterben?
Nein, er wird nicht. Er heiratet noch Lina.

Er kam zurück.

Es war früher Morgen, der Soldat saß auf einer Bank, streckte die Beine, ließ den Rucksack fallen, lauschte dem Gesang der Vögel und der Stille, genoss das Zuhause.

Der Bruder trat nach draußen, rauchte.

Rauchen schadet, sagte Lukas mit zusammengekniffenen Augen.
Schädlich sein ist egal, es brennt im Auge, konterte der Bruder.

Hallo.
Hallo, Bruder

Hoffmann!, schrie Lukas nach ein paar Stunden, leicht benebelt vom Glück, ich bin hier, um dich zu heiraten, Hoffmann!

Niemand schimpfte, niemand rief, dass er verschwinden solle die Polizei würde ja kommen. Alle wussten, die Freude war groß, der Soldat war heimgekehrt, lebendig.

Mama, Papa, kann ich jetzt endlich heiraten? fragte der glückliche Lukas, drehte sich vor dem Spiegel.

Zieh dein Hochzeitshemd an, sonst ändert die Braut noch ihre Meinung, lachten die Eltern.

Ich werde nicht zurückweichen, ich habe diesen Tag so lange erwartet!

Mama, ich will heiraten.
Wirklich? Und wann?
Morgen.
Auf wem?
Auf Katja Müller.
Wie bitte? Wer ist diese Müller?
In meiner Gruppe, Mama, Katja Müller.
Und Papa?
Er hat heute gesagt, ich soll erst mit Opa reden, dann heirate ich morgen.

Na, Opa, hast du mit dem Enkel gesprochen? lachte Lukas Mutter.
Ja, die Geschichte wiederholt sich, wieder die Müllers, diese Namen drehen uns den Kopf, lachte Lukas Vater, sein Schwiegervater.

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Homy
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KinderliebeAls sie das alte Tagebuch fanden, erinnerte sich Emma an die unerschütterliche Freundschaft, die ihr Herz seit ihrer Kindheit erwärmte.
Meine Schwägerin hat meinen Hund auf die Straße gesetzt, während ich im Koma lag, weil er ‘Haare verloren hat’.