Na, ihr gebt mich jetzt zurück ins Kinderheim? fragte ich, während ich die Pfannkuchen wende. Die Tante hat gesagt, ihr habt mich zu schnell genommen, weil ihr nicht wusstet, dass ein Baby kommt. Und ich gehöre nicht hierher
Ich, Annika Schneider, stand am Herd und briet Pfannkuchen, während mein Mann bald von der Arbeit heimkommen würde und wir dann gemeinsam zu Abend essen wollten.
Komisch, dass Leon heute so still in seinem Zimmer spielt. Normalerweise, wenn ich ihm seine LieblingsPfannkuchen brate, dreht er sich zu mir um, schaut mir tief in die Augen und fragt:
Mama, darf ich noch einen Pfannkuchen haben?
Ich gebe ihm ein Stück, er sieht erst satt aus, doch gleich kommt er wieder, streckt die Hände aus und bittet mit leuchtender Freude:
Maama, noch einer?
Ich verstehe sofort: Leon ist längst gesättigt, er will nur noch das warme, wunderbare Wort Mama hören. Früher habe ich immer die Pfannkuchen beiseitegelegt, Leon auf den Arm genommen er ist erst fünf, noch nicht besonders schwer und gesagt: Komm, mein Junge, wir gehen Papa von der Arbeit abholen. Und Leon hat immer fröhlich gejubelt:
Ja, Mama, los gehts!
In seinen Augen funkelte das Staunen, weil er vorher nie Eltern gehabt hat. Jetzt hat er sie.
Leon hat jetzt ein eigenes Zimmer mit eigenem Bett und einer kleinen Kletterwand, die Papa für ihn gebaut hat. Außerdem gibt es Spielzeugautos, einen Roboter, Bausteine und noch viel mehr alles nur für ihn. Abends lese ich ihm vor, streichle ihm den Kopf und sage, dass ich ihn liebe. Er fühlt diese Liebe schon fast ganz tief und hat fast vergessen, wie es vorher war.
Ich wollte Leon rufen, doch plötzlich stieß das kleine Mädchen meine ungeborene Tochter gegen meinen Bauch. Ich legte meine Hand drauf, und das Kind schnippt noch einmal.
Gott, ich bete jeden Tag für dieses überraschende Geschenk, dass alles gut läuft. Wir haben bereits einen Namen für das Mädchen gefunden: Lina. Mein Mann, Thomas, nennt sie Lina, weil seine Großmutter Katarina hieß.
Man hat mir gesagt, ich könnte keine eigenen Kinder bekommen, deshalb hat Thomas Leon mit ins Kinderheim genommen. Ein Jahr später, jetzt, wo Lina bald geboren wird, muss das alles wieder anders werden.
Ich war so in Gedanken, dass ich fast vergessen habe, den Pfannkuchen zu wenden. Dann rief ich Leon:
Leon, mein Kleiner, warum bist du heute so still?
Aber es blieb still. Hört er mich nicht?
Ich schaltete den Herd aus und ging zum Kinderzimmer. Das Licht war aus, und Leon war nirgends zu sehen. Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Ich drehte das Licht an und sah Leon auf dem Sofa sitzen, mit Jacke und Mütze, einen Rucksack voller seiner Lieblingsautos in der Hand.
Was machst du da im Dunkeln? fragte ich überrascht und lachte: Komm, zieh dich an, willst du etwa verreisen? Lass uns deine Pfannkuchen mit Sahne und gezuckerter Kondensmilch essen, los, Leon, warum bist du so?
Leon lächelte nicht. Er starrte ins Leere, als würde er erwachsene Dinge sehen, dann fragte er plötzlich:
Darf ich meine Spielsachen mitnehmen? Sie brauchen die Autos ja nicht mehr?
Was sagst du denn da, Leon? Was ist los mit dir? Wohin willst du? Meine Stimme brach, meine Hände fielen zu Boden. War ich eine schlechte Mutter? Spürt Leon meine Liebe nicht mehr? Vielleicht eifersüchtig, weil bald eine Schwester kommt? Doch erst gestern war er noch ganz aus dem Häuschen.
Na, ihr gebt mich zurück ins Kinderheim? wiederholte er, die Tante hat gesagt, ihr habt mich zu schnell genommen, weil ihr nicht wusstet, dass ein Baby kommt. Und ich gehöre nicht hierher
Seine Augen waren nass, er hielt sich kaum fest und blickte zur Seite.
Leon, mein Schatz, welche Tante?, sagte ich, und erinnerte mich daran, dass ich neulich die Nachbarin Gerda getroffen hatte. Ich dachte kurz an Gott und an unser baldiges Glück, dann sah ich Leon an und sagte: Ihr seid zu schnell gewesen, meine Kleine.
Ich war mir sicher, dass Leon das noch gar nicht ganz versteht. Ich verabschiedete mich höflich von Gerda, wollte keinen Streit mit ihr anfangen. Doch Leon hatte alles mitgekriegt.
Plötzlich kam ihm die Idee, dass er fremd sein könnte, völlig allein.
Ich umarmte ihn schnell. Erst wischte er mich ab, dann fiel er in meine Arme und fing an zu weinen.
Du verstehst das nicht, Kleiner, diese Tante weiß gar nichts. Papa und ich lieben dich über alles, wir geben dich nie her!
Ich zog ihm die Mütze und die Jacke aus, wir hielten uns fest und saßen lange schweigend auf dem Sofa.
Als Lina geboren war, blieben Leon und Papa allein zu Hause, dann fuhren sie zu mir und der kleinen Lina. Leon war ganz nervös er dachte, die Schwester könnte ihn nicht mögen.
Doch als er die winzige Lina sah, lächelte er nachsichtig. Mama, wo soll sie denn hin, ganz klein ohne großen Bruder? Ich zeige ihr die Autos, dann haben wir viel Spaß zusammen!
Jetzt lässt Leon seine kleine Schwester nicht mehr los, er wartet, bis sie größer wird, und die Eltern ziehen Lina in sein Zimmer. Bis dahin ist er Mamas erster Helfer.
Am Abend rief ich ihn: Leon, ich habe Lina fertig gemacht, wir gehen schnell Papa von der Arbeit abholen. Und Leon stand schon im Flur, alles bereit:
Mama, ich halte die Tür, du kannst mit dem Kinderwagen rausgehen!
Wir fuhren mit dem Aufzug nach unten, und plötzlich kam dieselbe Frau, Gerda, in den Flur.
Leon drückte meine Hand fester, als wäre er ganz aufgeregt.
Sohn, du bist doch ein großer Junge, hilf der Tante, ruf den Aufzug, sie hat schwere Taschen.
Klar, Mama!, rief Leon stolz, rief den Aufzug und lief hinter mir her.
Morgen haben wir frei, wir gehen als ganze Familie in den Volkspark. Schade, dass Lina noch klein ist, aber bald wird sie größer und wir fahren zusammen auf den Karussells. Leon, als großer Bruder, hält sie fest, falls sie Angst hat. Denn Bruder und Schwester bleiben das für immer!
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