»Mach dich nützlich statt deine lächerlichen Bilder zu malen, du Träumerin!«, fauchte der Mann. Er wusste nicht, dass ich eines dieser »Bilder« anonym für eine Million verkauft hatte.
Der Geruch von Farbe hing in der Luft herb und süß zugleich, der Duft der Freiheit.
Alwin Friedrich Bauer, mein Mann, hasste diesen Geruch. Er stand auf der Schwelle meiner winzigen Werkstatt, die eigentlich nur eine abgetrennte Ecke im Wohnzimmer war.
»Schon wieder«, seufzte er. Es war keine Frage.
Sein teurer Anzug wirkte wie ein Fremdkörper zwischen meinen mit Acryl bespritzten Leinwänden. Angewidert verzog er die Nase, als er die Palette erblickte.
»Gisela, wir hatten uns geeinigt. Keine Kleckerei am Abend. Danach riechst du kilometerweit nach Verdünner. Am Samstag kommen Gäste was sollen die denken?«
Ich tauchte den Pinsel wortlos in Karminrot. Die Farbe breitete sich in den Fasern aus, lebendig und warm wie Blut.
»Das ist keine Kleckerei, Alwin.«
»Was ist es dann?« Er stupste gegen die fast fertige Leinwand. »Sinnlose Farbkleckse. Verschwendete Leinwand. Geld zum Fenster rausgeworfen.«
Sein Pragmatismus war wie eine Presse. Er drückte, unerbittlich und methodisch, verwandelte alles Lebendige, alles Strahlende in etwas Flaches, Graues, in seine verständliche Ordnung.
»Diese Ecke könnte man sinnvoll nutzen. Ein Regal für meine Werkzeuge. Oder wenigstens für die Winterreifen. Ich hab schon ein tolles Modell im Auge.«
Ich zog eine kühne rote Linie über die Leinwand. Sie durchbrach die Komposition genau das, was ich wollte.
»Mach dich nützlich statt deine Bilder zu malen, du Träumerin!«
Die Worte fielen wie schwere, schmutzige Steine. Früher hätten sie mich verletzt. Wunden gerissen, unsichtbare Narben hinterlassen.
Aber nicht heute.
Heute hatte ich einen Schild. Unsichtbar, aber unzerbrechlich. Langsam drehte ich mich zu ihm um. Mein Gesicht war völlig ruhig. Er erwartete Tränen, Rechtfertigungen, Geschrei das übliche Programm. Er bekam nichts.
»Ich bin beschäftigt, Alwin.«
Er verstummte verwirrt. Dieser Ton war neu fest, ohne Spur von Unterwürfigkeit. Er blinzelte mehrmals, als würde er scharfstellen.
»Womit? Damit, unser Budget zu ruinieren?«
Ich wandte mich wieder der Leinwand zu. Mein Schweigen ärgerte ihn mehr als jeder Streit.
Auf dem Laptop neben der Staffelei leuchtete eine E-Mail einer Münchner Galerie. Ich hatte sie nicht geschlossen, und sie war noch da, ein Leuchtturm in der Dämmerung.
»Sehr geehrte Frau Vogt, wir freuen uns, Ihnen mitzuteilen, dass Ihr Werk Atem des August auf einer geschlossenen Auk





