Stell dir das mal vor: meine Schwester Bärbel ModeMaven, schlank wie ein Kirschzweig, immer top gestylt. Und ich na ja, einfach ich. Ein paar Kilo mehr hier, ein erstes Grübchen dort. Was soll’s, das Leben läuft ja weiter.
Jedes Treffen mit ihr wurde für mich zur kleinen Folterkammer. Sie tat es wohl nicht aus Bosheit, sondern aus besten Absichten. Sie kam also, musterte mich mit ihrem durchdringenden Blick und legte los:
Klaus, ist das Kleid nicht ein bisschen… Omaschick?
Klaus, ein anderer Haarschnitt würde dir fünf Jahre zurückgeben.
Ach, die LippenstiftFarbe! Die war seit zehn Jahren aus der Mode.
Und das alles mit einem süßen, fast mitfühlenden Lächeln, als wolle sie mir nur das Beste wünschen. Nach jedem ihrer Komplimente fühlte ich mich, als wäre der Boden unter den Füßen weggeschmolzen, und ich wollte mich eine Woche lang nicht mehr im Spiegel ansehen.
Schmerzhaft? Ja, richtig schmerzhaft! Ich bin ja nicht gerade ein HochglanzCover, und dann noch meine eigene Schwester, die immer wieder an den empfindlichsten Stellen bohrt.
Anfangs habe ich es ertragen, Witze gerissen und das Thema gewechselt. Doch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war der Geburtstag meiner Mutter.
Ich hatte mich wochenlang darauf vorbereitet: ein neues, schickes Kleid, perfekte Frisur, makelloses Makeup. Ich fühlte mich wie eine Königin ehrlich!
Alle waren im Restaurant versammelt: Gäste, Verwandte, jeder in festlicher Kleidung und guter Laune. Und dann kam Bärbel, stand vor mir, sah mich von Kopf bis Fuß an und rief laut genug, dass es jeder hörte:
Klaus, was soll das für ein Outfit sein? Das ist ja ein echter Lacher fast wie bei Tante Erna aus dem Dorf. Hättest du mich doch nach Rat gefragt, dann hätte ich dir was Anständiges ausgesucht.
In diesem Moment schien mir die Welt unter den Füßen zu verschwinden. Sie spuckte quasi in mein Gesicht, und die festliche Stimmung war sofort im Eimer.
Da schaltete ich plötzlich um. Schluss mit dem Schweigen! Ich dachte mir, jetzt ist meine Chance. Und ich hatte mich doch wirklich gut auf den Geburtstag vorbereitet
Ich löste keinen Sturm aus, denn wozu? Ich atmete tief ein, schenkte mein strahlendstes Lächeln und schnitt ihr vorschnell das Wort ab:
Bärbel! rief ich laut und fröhlich. Vielen Dank für deine liebevolle Sorge! Du bist wirklich die Expertin, wenn es darum geht, bei anderen Schwächen aufzuspüren!
Bärbel leuchtete auf, dachte wohl, ich würde sie loben. Naivität, sag ich nur.
Da du ja in allem so bewandert bist fuhr ich fort, während ich einen Stuhl zurückschob habe ich ein Geschenk für dich vorbereitet!
Alle Gäste richteten neugierige Blicke auf uns. Ich reichte ihr eine hübsch mit Schleife verzierte Schachtel. Sie öffnete sie erwartungsvoll, wahrscheinlich dachte sie an Parfüm oder Kosmetik.
Stattdessen lag darin ein edel gedrucktes Zertifikat: ein Gutschein für eine individuelle Beratung bei einem renommierten Psychologen, Thema: Selbstwert steigern, ohne andere klein zu machen. Und ich las den Text laut vor, sodass jeder im Saal, in der Küche und sogar der Busfahrer, der gerade vorbeifuhr, ihn hören konnte. Oh, das war ein Treffer!
Hier, Schwesterherz! sagte ich, als sie überrascht zu mir aufsah. Ich dachte, das könnte dir wirklich nützlich sein. Es hilft, echtes Selbstvertrauen zu finden, statt sich auf Kosten anderer aufzublähen. Wie sagt man so schön: mitten ins Schwarze!
Ihr Gesicht war unbezahlbar! Zuerst völlige Verwirrung, dann das Eingeständnis, und schließlich wurden ihre Wangen von einem tiefroten Rouge überzogen, das man kaum in Worte fassen kann.
Ein Moment der Stille im Saal, dann brüllte einer der Onkel laut los. Und danach alle anderen. All ihre Sticheleien und Giftbemerkungen flogen förmlich aus ihr heraus! Sie wollte mich demütigen, doch am Ende machte sie sich selbst zum Gespött.
Der Abschluss kam sofort: Bärbel murmelte etwas, schnappte nach ihrer Tasche und verließ den Saal.
Und um eure offensichtliche Frage zu beantworten ja, wir haben uns wieder vertragen. Schließlich sind wir Schwestern.
Seitdem hat sie nie wieder etwas zu meinem Äußeren gesagt. Wenn wir uns treffen, reden wir nur noch über das Wetter. Und wisst ihr was? Das ist sogar ganz angenehm.
Das war meine Geschichte. Danke, dass ihr bis zum Schluss gelesen habt! Wenn sie euch berührt hat, drückt gern auf Gefällt mir, das freut mich! Und schreibt in die Kommentare eure eigenen Erlebnisse habt ihr Ähnliches erlebt? Teilt das bitte auch mit euren Freundinnen das ist einfach spitze!




