– Haben sie keine Verwandten? Warum hast du sie mitgebracht? Schade für dich… Schade? Und uns nicht? Wir passen hier selbst kaum noch hinein! Ruf morgen das Jugendamt an, habe ich dir gesagt! Lass sie sich verständigen.

Hey, du! Du glaubst gar nicht, was bei uns so abgeht. Ich muss dir das gleich erzählen fast wie ein Film, aber mit ganz normalen Menschen.

Haben die etwa keine Verwandten? Warum hast du sie überhaupt mitgebracht? Was für ein Jammer! heißt es plötzlich. Und dann: Mitleid? Und wir nicht? Wir quetschen uns hier schon bis zum Anschlag! Morgen rufst du das Jugendamt an, hab ich dir doch gesagt! Lass die Leute Bescheid wissen!

Hans schaut mich wütend an. Gerade erst von der Beerdigung seiner alten Freundin zurück, die ja gar nicht die einzige war. Neben ihm stehen die beiden Kleinen. Die dreijährige Leni und ihr 13jähriger Bruder Kilian tappen am Türrahmen herum und wissen nicht, wie sie auf den unfreundlichen Gastgeber reagieren sollen.

Ich schiebe die Kinder leicht in die Küche, senke die Stimme und sage:

Kilian, hol dir was zu trinken für Leni, und für dich auch. Im Kühlschrank gibts Saft.

Sobald die beiden verschwunden sind, wende ich mich wütend an Hans:

Schämst du dich nicht? Brigitte war meine beste Freundin! Glaubst du, ich lass ihre Kinder im Stich? Stell dir vor, wie es ihnen jetzt geht! Du bist 38, und rufst immer noch deine Mutter an, wenn du etwas brauchst!

Er versucht, etwas ruhiger zu klingen:

Okay, ich verstehe, aber willst du die beiden nicht einfach bei uns lassen?

Ich nicke entschlossen:

Doch! Ich will die Pflegschaft übernehmen! Sie haben niemanden. Der Vater ist unbekannt, war bei der Trauerfeier gar nicht da.

Brigitte hat ihre Eltern früh verloren. Es gibt eine Tante, die aber zu alt ist, um die Kinder zu nehmen. Und wir haben selbst ja keine eigenen Kinder.

Liselotte, ich bin doch dein Mann, erinnerst du dich? Willst du meine Meinung nicht hören?

Ach Hans, du bist ja noch ein gutes Stück Mensch. Ich kenne dich. Sonst hätte ich die Kinder nicht hierher gebracht. Hast du Angst vor den Kosten? Wir schaffen das schon!

Außerdem sind die Kinder nicht mehr ganz klein. Kilian geht weiter zur Schule, Leni bringen wir in den Kindergarten. Unser Leben ändert sich kaum!

Aber meine Mutter Liselotte! Sie würde mich umlegen, wenn sie das herausfindet! Sie schimpft ständig, weil ich keine Enkel habe!

Ich finde, deine Mutter sollte sich nicht in unsere Familienangelegenheiten einmischen. Wir wollten doch sowieso ein Kind adoptieren. Warum ein Fremdes? Kilian und Leni kennen uns, wir kennen sie. So ist es für alle einfacher.

Vielleicht hast du recht, Liselotte. Aber wir wollten doch nur ein Baby, einen Kleinen! Leni ist noch klein, Kilian ist ein Teenager das ist schon ein Problem!

Wir waren beide mal Teenager. Alles hat sich geklärt. Wir sind erwachsen und verantwortungsbewusst geworden.

Gut, wir regeln das Schritt für Schritt. Lass sie erst mal bleiben

Ich drücke Hans’ Wange, küsse ihn laut und lächle. Ich vertraue ihm vollkommen. Er ist immer ein bisschen streitsüchtig, brummt, aber am Ende nimmt er jede Situation an und hilft mir, wo er kann.

Ich gehe in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten, und plane den nächsten Tag. Wir müssen zum Jugendamt, Arbeitszeugnisse holen, bei der Bank Unterlagen einreichen, Dokumente sammeln

Und dann geht das ganz schön los ein endloser Strom von Anträgen und Bürokratie. In Filmen finden Waisenkinder sofort ein Zuhause, aber hier braucht man Tonnen von Papieren und Bestätigungen.

Kilian und Leni wollten sogar kurzzeitig in ein Kinderheim, aber wir haben alles zusammengezogen und konnten ihr Recht verteidigen, bei uns zu bleiben.

Bei den beiden gab es keinerlei Probleme. Das Mädchen Leni lässt sich leicht ablenken, findet Trost in neuen Spielsachen und Süßigkeiten. Der Junge Kilian hat es schwerer. Ich sehe, wie er kaum seine Tränen zurückhalten kann. Eines Tages ziehe ich ihn zur Seite, lege ihm eine Hand auf die Schulter und sage:

Kilian, ich weiß, dass es weh tut. Ich bin fast vierzig, und ich kann mir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn meiner Mutter etwas zustößt. Aber für Leni musst du stark bleiben.

Wenn du weinen oder schreien willst, sag es mir. Wir gehen zusammen irgendwo hin, wo keiner uns sieht. So einen Schmerz kann man nicht in sich verschließen. Und Veronika muss das nicht sehen, sonst erschrickt sie. Bitte, sprich mit mir.

Seitdem behandelt Kilian mich mit Respekt. Ich sehe, wie wir oft zusammen spazieren gehen und dann wie beste Freunde zurückkommen.

Unsere Familie musste viele Kontrollen von Behörden durchstehen. Um zu zeigen, dass wir die Kinder versorgen können, haben wir sogar einen Kredit aufgenommen. Wir renovierten ein Zimmer, kauften Kinderbetten, Spielzeug und neue Kleidung.

Ein bisschen Geld brauchte man auch, um Leni in den nahegelegenen Kindergarten zu bringen. Und als Kilian mir gestand, dass er seine Sportfreunde vermisst, bezahlten wir auch den entsprechenden Beitrag.

Endlich war alles durch. Die Kinder wurden offiziell unter Pflegschaft genommen. Ich fand einen Nebenjob, Hans nahm eine zweite Stelle an die Schulden mussten beglichen werden.

Kerstin, meine Frau, fand ebenfalls etwas zum Verdienen. Sie unterrichtet Physik an einer Schule und gibt Nachhilfe für schwächere Schüler zu Hause. So haben wir die finanziellen Engpässe gemeistert

Ein Jahr ist vergangen. Die Kinder haben sich eingewöhnt, haben ein gutes Verhältnis zu uns aufgebaut. Leni nennt mich sogar Mami, und ich fühle mich richtig glücklich.

Sogar meine Mutter, Vera, hat sich mit den Kindern angefreundet, obwohl sie anfangs skeptisch war.

Der Sommer naht, und ich schlage vor:

Wie wärs, wenn wir ans Meer fahren? Nicht nach Odessa, sondern nach Kroatien! Da gibts gerade ein tolles LastMinuteAngebot. Ich ruf gleich an und buche uns die Tickets.

Kerstin ist sofort dabei. Sie ist nach dem ganzen Jahr müde und will einfach mal abschalten. Und ich mache es sofort.

Während ich am Telefon mit einer Kollegin schlafe, plaudert sie beiläufig:

Na, ihr habt ja Glück! Ich muss den ganzen Sommer wieder auf dem Schrebergarten schuften Geld reicht nicht. Ihr kriegt ja sicher ganz schön was vom Jugendamt, oder?

Ich bin kurz perplex, weil ich plötzlich sehe, wie mich manche als gierig oder nur wegen des Geldes sehen. Ich erzähle Hans davon, und er überlegt kurz:

Weißt du, ich habe auch mal negative Kommentare bekommen. Ein Freund meinte neulich, ich sollte endlich das alte Auto loswerden, weil wir doch so viel Geld von den Kindern bekommen.

Ja, ja, sagt Kerstin, deine Mutter meinte auch, ich sollte endlich mal zum Zahnarzt gehen. Das Geld steigt, du solltest besser auf dich achten.

Und mein Chef, fährt Hans fort, sagte, ich soll nicht mit extra Urlaub rechnen, weil das nur für eigene Kinder gilt. Stell dir das mal vor!

Die Nachbarin, meint Kerstin, sagt, ihr lebt jetzt viel besser, weil ihr Unterstützung bekommt. Und ich muss jetzt mehr kochen, weil vier Leute im Haus sind! Kilian ist immer hungrig, er wächst ja!

Also denken alle, wir nehmen die Kinder nur wegen des Geldes?, fragt Hans.

Kerstin zuckt die Schultern:

Lass sie denken, was sie wollen!

Vielleicht dürfen wir ja nicht nach Kroatien, weil sie denken, wir geben das Geld der Kinder aus. Und jetzt fragen alle, ob wir die Wohnung auf die Kinder umschreiben können!

Sie verstehen gar nicht, dass Brigitte nie eine eigene Wohnung hatte, erwidert Hans.

Was sollen wir jetzt machen?, fragt Kerstin verzweifelt.

Wir haben nie an irgendeinen Profit gedacht. Die Leistungen, die die Kinder wegen des Wegfalls des Ernährers bekommen, legen wir auf ein Sparkonto.

Kilian will bald eine Ausbildung zum Programmierer beginnen das kostet natürlich Geld.

Wir machen das schon! Wir fahren nach Kroatien, und die können ja denken, was sie wollen. Jeder beurteilt nach seinem eigenen Bild!

Kurz darauf sind wir in Kroatien, haben uns richtig erholt und sind noch enger zusammengewachsen. Doch nach der Rückkehr fühlt sich Kerstin plötzlich schlecht, ihr wird übel, sie ist schwach

Ich habe Angst, sie hätte sich am Strand etwas eingefangen, und rufe den Rettungsdienst.

Sie wird ins Krankenhaus gebracht, Kilian ist völlig aus der Haut. Er hat Angst, mich zu verlieren, denn ich bin für ihn wie eine Mutter geworden. Er weint sogar laut. Dann ruft Kerstin mich an und lacht:

Hans, du glaubst es nicht wir bekommen ein Baby!

Wirklich? Wie kann das sein? Wir hatten doch nie eine Chance!

Man sagt ja, Wunder passieren! Vielleicht ein Dankeschön vom Himmel für meine Freundin!

Ich lache mit, dann werde ich ernst:

Hans, bitte verstehe, die Kinder bleiben bei uns, so wie vorher!

Gibts noch andere Optionen? Kilian, Leni, kommt her! Ich will euch was sagen ihr bekommt bald eine kleine Schwester oder einen kleinen Bruder!

Juhu!, rauscht das begeisterte Geschrei.

Und das wars Freude, Liebe, Hoffnung und Glück in einem Rutsch.

Das war die rührende Geschichte mit einem happy End. Was meinst du dazu? Schreib mir gern, was du denkst, und gib einen Like, wenn dir die Geschichte gefallen hat!

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Homy
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– Haben sie keine Verwandten? Warum hast du sie mitgebracht? Schade für dich… Schade? Und uns nicht? Wir passen hier selbst kaum noch hinein! Ruf morgen das Jugendamt an, habe ich dir gesagt! Lass sie sich verständigen.
Schweigend überließ sie die Kinder ihrem Mann und ging einfach fort 😱