Bitte… jede Unterstützung zählt…

Bitte irgendwas hilft

Die Stimme klang kaum lauter als das gewöhnliche Treiben in der Stadt
und doch
schnitt sie durch alles hindurch.
Daniel blieb mitten im Schritt stehen.
Steif wie eine Litfaßsäule.
Autos rollten vorbei.
Menschen huschten.
Nur für ihn
war plötzlich alles stumm.

Er drehte sich langsam um.
Und sah sie.
Da saß sie, auf dem kalten Bürgersteig.
Drei Jungs neben ihr.
Wie Kopien.
Die gleichen kleinen Gesichter.
Die gleichen neugierigen Augen.
Hanna.

Ihm stockte der Atem.
Hanna?
Der Name kam ihm vor, als hätte er ihn seit Ewigkeiten nicht mehr ausgesprochen
und ganz bestimmt nicht erwartet, heute wieder zu sagen.

Sie schaute auf.
Und in dem Moment
ging alles zu Bruch.
Erkennen blitzte in ihrem Blick auf.
Ihre Augen wurden groß.

Stille legte sich zwischen sie.
Schwer.
Unerbittlich.

Daniels Blick wanderte nach unten
zu den Jungs.
Drei!
Nicht einer.
Drei.

nein
Das Wort rutschte raus, bevor er es auffangen konnte.

Einer der kleinen Jungen zupfte sacht an ihrem Ärmel.
Mama wer ist das?

Daniel erstarrte gänzlich.
In der Brust zog es sich schmerzhaft zu.
Sein Kopf raste
versuchte nachzukommen
schaffte es nicht.

Er sah zurück zu Hanna.
Jetzt schon voller Verzweiflung.
Wessen Kinder sind das?

Die Frage hing zwischen ihnen.
Aber sie sagte nichts.
Nicht gleich.
Sie hielt die Jungs fester
als müsste sie sie schützen
vor ihm.
Vor der Vergangenheit.
Vor allem.

Hannas Augen glänzten nun feucht.
du bist gegangen.

Die Worte waren leise.
Doch sie trafen härter als jede Ohrfeige.

Daniel trat reflexartig einen Schritt zurück.
Fast, als hätte ihn jemand gestoßen.
Sein Blick huschte von Junge zu Junge
zu Nummer drei.
Sein eigenes Spiegelbild dreigeteilt.

das kann nicht sein

Doch es war keine Zweifel mehr.
Es war Angst.

Hanna sah ihn an
Schmerz, Ehrlichkeit, all die Jahre Schweigen in ihren Augen.
Sie öffnete den Mund
gerade dabei, es auszusprechen
gerade dabei, sein Leben zu verändern
da hielt ein schwarzer SUV quietschend direkt am Bordstein.

Viel zu schnell.

Viel zu nah.

Die Jungs zuckten sofort zusammen.

Nicht erschrocken.
Gewohnt.

Hannas Gesicht verlor jede Farbe.

Nein

Das Wort entglitt ihr.

Die hintere Autotür flog auf.
Ein Mann stieg aus, hochgewachsen, mit scharf geschnittenem Gesicht, die Stirn voller Ungeduld.

Dann entdeckte er Daniel.

Und erstarrte.

Es war, als hätte die Geräuschkulisse der ganzen Stadt auf Pause gedrückt.

Daniel kannte ihn sofort.

Viktor Faust.

Hannas Vater.

Der Mann, der vor zwölf Jahren ihre Beziehung mit einem Satz zerstört hatte:

Wenn du ihn heiratest, brauchst du nie wieder nach Hause zu kommen.

Viktors Blick wanderte langsam von Daniel
zu den Drillingen
zu Hanna, die sich mit letzter Kraft auf dem Bürgersteig zusammenhielt.

Und zum ersten Mal in seinem Leben

sah Viktor Faust verängstigt aus.

Einer der Jungen vergrub das Gesicht in Hannas Mantel.
Ein anderer flüsterte leise:
Opa

Daniels Kopf schoss herum.
Opa.

Das Wort explodierte in ihm.

Hanna schloss die Augen.
Jetzt gab es nichts mehr zu vertuschen.

Daniel sah Viktor an.
Du wusstest es.

Viktor schwieg.
Was Antwort genug war.

Daniel taumelte einen Schritt zurück.
Du hast es gewusst.

Hannas Stimme brach.

Ich hab ihn angefleht, es dir nicht zu sagen.

Daniel starrte sie an, fassungslos.
Was?

Jetzt kullerten ihr die Tränen übers Gesicht.

Du hattest nichts, als du gegangen bist, Daniel, flüsterte sie. Dein Bruder lag im Krankenhaus, deine Mutter brauchte eine Operation. Du hast schon selbst kaum überlebt.

Das war nicht deine Entscheidung!

Nein. Viktors Stimme war plötzlich ruhig.

Jetzt sah Daniel ihn voller Abscheu an.

Viktor wich nicht aus.

Das war meine.

Die Drillinge drückten sich aneinander, während die Spannung immer dichter wurde.
Passanten wurden langsamer. Es war zu tragisch, um daran vorbeizusehen.

Daniels Brust hob und senkte sich scharf.

Du hast mich glauben lassen, sie hätte mich verlassen.

Viktors Kiefer spannte sich.

Du bist zuerst verschwunden.

Daniel erstarrte.

Hanna senkte sofort den Blick.
Man sah ihr an, wie sehr es schmerzte.

Viktor trat näher.

Du bist für einen Job nach Österreich gegangen. Warst drei Monate weg. Kein Anruf, keine Adresse. Es kam kein Cent zurück. Sie glaubte, du seist tot.

Daniel starrte ihn an.

Das ist gelogen.

Viktors Augen verengten sich.

Dein Bruder hat jeden Brief von ihr verzockt.

Stille.

Hanna fing stärker an zu weinen.

Daniel blickte zwischen den beiden hin und her, während sich die Jahre in Sekunden auflösten.

Was

Seine Stimme versagte.
Wovon redet ihr?

Hanna wischte sich verzweifelt übers Gesicht.

Ich hab dir jede Woche geschrieben.

Daniel stand stocksteif.

Ich hab nichts bekommen.

Ich weiß.

Kaum hörbar.

Einer der Jungs zupfte diesmal an Daniels Ärmel.
Kleine, warme Finger.

Bist du unser Papa?

Daniel blickte langsam auf den Jungen.

Seine Augen.
Seine eigenen.
Nicht ähnlich.
Identisch.

Etwas in ihm zerbrach.
Er sank rücklings in die Knie auf den kalten Gehweg.

Autos fuhren weiter.
Passanten starrten.
Es war alles egal.

Daniel sah die drei Jungs an, als würde der bloße Anblick sie ihm das Leben kosten.

Drillinge.
Seine Söhne.
Jahre verloren.
Verpasste erste Worte.
Vergessene Geburtstage.
Alpträume, die er nie verscheuchte.
Alles wegen eines Schweigens, genährt von Stolz und Angst.

Der zweite Junge trat schüchtern näher.

Wir haben dein Foto gesehen.

Daniel blickte auf Hanna.

Sie nickte, Tränen im Blick.

Jeden Geburtstag.

Viktor schloss kurz die Augen.
Ehrlich beschämt dieses Mal.

Daniels Stimme zitterte.

Wie heißen sie?

Hanna schluckte schwer.

Matthias.

Der erste hob zaghaft die Hand.

Julian.

Der zweite schmiegte sich an ihren Arm.

Und Felix.

Der dritte lächelte nervös.

Daniel wiederholte die Namen leise, als ob er beten würde.

Dann
fiel ihm das Pappschild neben Hannas Tasche auf.

BITTE, HILFE FÜR ESSEN

Sein Blick wurde eiskalt.

Er sah zu Viktor.

Jetzt war Trauer zu Wut geworden.

Du hast zugelassen, dass sie hier enden?

Viktor wirkte getroffen.

Ich hab sie jahrelang anonym unterstützt.

Hanna schüttelte sofort den Kopf.

Nicht mehr.

Daniel runzelte die Stirn.

Viktor sagte leise:
Sie hat es vor drei Wochen rausgefunden.

Hanna wischte sich die Augen.

Ich will kein Almosen vom Menschen, der mir die Familie genommen hat.

Das saß so tief, dass selbst Viktor blass wurde.

Da hauchte Felix:
Mama hat ihren Ring verkauft.

Daniels Atem stockte.

Hanna sah weg.

Julian deutete zum Bäcker hinter ihnen.

Sie hat gestern nichts gegessen.

In diesem Moment brach Daniel endgültig zusammen.
Nicht würdevoll.
Nicht leise.
Mit zitternder Hand vergrub er das Gesicht und weinte hemmungslos auf offener Straße, während seine drei Söhne miterlebten, wie aus einem fremden Mann ihr Papa wurde.

Da kam Matthias vorsichtig näher.
Wie zu einem scheuen Reh.
Und legte die kleine Hand auf Daniels Schulter.

Ist schon gut, flüsterte er.

Dieser Satz zerstörte alle
am meisten Hanna.
Am meisten Viktor.
Denn ein kleiner Junge, der einen Erwachsenen trösten muss, sollte nie lernen, wie das geht.

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Homy
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Bitte… jede Unterstützung zählt…
„Du bist nicht länger meine Tochter. Wer er ist und woher er kommt, weiß niemand. Ich schäme mich für dich. Zieh in Omas Haus und lebe wie eine Erwachsene – spüre die Verantwortung für deine Taten – Olga, hast du gehört? Zu uns kommen Leute auf Montage, um uns zu unterstützen. Lass uns heute Abend in den Jugendclub gehen! – rief die zufriedene Mascha und ließ sich im Sessel nieder. – Mascha, spinnst du? Wohin soll ich denn mit dem kleinen Vladik? Mitnehmen? – lachte Olga. – Was ist, wenn wir Tante Leni fragen? – fragte Mascha vorsichtig. Olga winkte hoffnungslos ab. – Ach komm, die hat mir bis heute die Geburt von Vladik nicht verziehen. Sie wollte doch immer, dass ich Andre heirate. Aber ich bin in die Stadt zum Studieren gefahren. Habe nicht bestanden, bin schwanger zurückgekommen. Ein ganzes Jahr war sie sauer, erst seit zwei Monaten redet sie wieder mit mir. Geh du doch, vielleicht hast du mehr Glück und findest jemanden. Mascha seufzte. – Na gut, dann gehe ich eben mit Tanja. Ich erzähle dir morgen alles, alles. Olga brachte ihren Sohn ins Bett und trat hinaus auf die Veranda. Musikklänge wehten bis zu ihrem Haus. In ihren Schal gehüllt, stellte sie sich vor, wie dort alle tanzten und lachten. Mascha hatte bestimmt wieder ihr „Tigerkleid“ angezogen – darin sah sie immer aus wie eine kleine Raubkatze. Wehmütig lächelnd seufzte Olga und ging schlafen. Am nächsten Morgen kam Mascha schon im Morgengrauen angerannt. Ausgerechnet heute kam auch Olgas Mutter zu Besuch. Olga legte den Finger an die Lippen, aber Mascha war nicht zu bremsen. – Schade, dass du gestern nicht dabei warst! So viele hübsche Jungs… Einer hat mich sogar nach Hause gebracht, Wowa heißt er, witzig und charmant. Heute habe ich ein Date, – platzte Mascha heraus. Olgas Mutter fragte tadelnd: – Verheiratet, bestimmt? Mascha zuckte mit den Schultern. – Keine Ahnung, hab nicht in den Ausweis geguckt. Und wenn, dann hab ich wenigstens was zu erzählen. – Ach Mädchen, was macht ihr bloß? Warum nicht Andre? Meine Tochter hat ihr Glück verpasst, aber du, Mascha, könntest ihm noch den Kopf verdrehen, – schlug Tante Leni prompt vor. – Ach, Tante Leni, wem soll er denn gefallen – und seine Mutter gleich dazu? Bloß nicht! – rief Mascha aufgebracht. Sie wandte sich Olga zu: – Da war so ein Kerl, den konntest du nicht übersehen. Alle Mädels waren hin und weg. Aber er stand mit Freunden nur herum und ging dann allein nach Hause, hat niemanden aufgefordert. Da passierte das Unglaubliche. Tante Leni sagte plötzlich nachdenklich: – Du könntest auch mal in den Club gehen, Olga. Ich passe solange auf Vladik auf. Vielleicht findest du ja jemanden. Einen zuverlässigen Mann, ein echtes Vorbild für Vladik. Aber such dir bloß keinen Verheirateten, die riechen förmlich, wenn eine Frau allein ist. Verstanden? Olga nickte wie im Traum und küsste die Mutter vor Freude. Die brummte: – Geh schon, Schleimerin. Olga stand im schönsten Kleid mit ihren Freundinnen im Club und plapperte zufrieden. Endlich wieder unbeschwert. – Schaut mal! Da ist er! Wieder da! – flüsterten die Mädchen. Neugierig blickte Olga hinüber, ihre Knie wurden weich. Hastig wandte sie sich ab und raunte Mascha zu: – Ich geh wohl lieber heim. Vladik vermisst mich sicher schon. Mascha staunte. – Olli, was ist denn los? Endlich raus, und jetzt willst du schon gehen? Nicht ein Tanz? Doch Olga blieb dabei: – Ich geh. Und da drüben kommt bestimmt dein Wowa, da wird’s dir auch nicht langweilig – dann verschwand sie Richtung Tür. Plötzlich fasste sie jemand an der Tür am Arm: – Tanzt du mit mir? Olga riss sich los, ohne hinzusehen: – Ich tanze nicht. Aber der Herr blieb hartnäckig. – Einen Tanz, bitte. Sie wandte sich um – ihr Herz stockte. Es war er! Der Mann, dem diese eine zufällige Begegnung ihr ganzes Leben verändert hatte. Er erkannte sie offenbar nicht. Erleichtert lächelte sie: – Na gut, aber nur einen Tanz, ich muss gleich los… Er wirbelte sie über die Tanzfläche. – Dein Mann wartet bestimmt auf dich, oder? Olga antwortete kurz: – Ich bin nicht verheiratet. Er zwinkerte – so vertraut, dass ihr der Atem stockte: – Dann hab ich ja vielleicht eine Chance? Olga löste sich abrupt und stürmte hinaus. Auf dem Heimweg weinte sie. Ihn vergaß sie nie – sie war wohl vom ersten Moment an in ihn verliebt. Und nun erkannte er sie nicht wieder. Sie hatten sich damals im Zug kennengelernt, als Olga nach den gescheiterten Aufnahmeprüfungen traurig zurückfuhr, und er zu seinen Eltern unterwegs war. Um sie aufzuheitern, stellte er sich als Maxim vor – „Mama sagt Max, der Neffe Maik, such’s dir aus“ – und sie lachte: – Maik klingt lustig. – So, jetzt kennst du mich. Und wie heißt du, schönes Wesen? – Olga. Maxim nickte ernst: – Hab ich mir gedacht. Ein königlicher Name. So kamen sie ins Gespräch. Olga verriet, dass sie bei der Uni durchgefallen war, und ihre Mutter ihr das ewig vorhalten würde. – Lern im Winter und probier’s noch mal, – schlug Maxim vor. Olga strahlte: – Darauf wäre ich gar nicht gekommen. Danke! Er lächelte nachdenklich: – Nichts zu danken. Hat dir eigentlich schon mal jemand gesagt, wie schön du bist? Verlegen errötete sie. – Ach Quatsch – aber trotzdem danke… Maxim kam ihr näher. – Doch, das bist du – und küsste sie plötzlich. Olga schwindelte. Alles, was danach geschah, war beschämend und süß zugleich. Maxim stieg früher aus. – Ich finde dich. Ganz bestimmt. Doch hinterher merkte Olga enttäuscht, dass er nicht einmal ihre Adresse kannte. Später stellte sie fest, dass sie schwanger war. Ihre Mutter reagierte abweisend: – Du bist nicht länger meine Tochter. Wer er ist, weiß niemand. Ab ins Omahaus, übernimm endlich Verantwortung. Bis zur Geburt arbeitete Olga in der Bibliothek, dann ging sie in den Mutterschutz. Nur Mascha holte sie aus dem Krankenhaus ab, die Mutter erschien zur Taufe nicht. Erst als Vladik fünf Monate alt war, taute sie langsam wieder auf – aber ihr Urteil blieb kühl: – Nicht aus unserer Familie, so einer. Doch sie kam öfter und brachte Spielsachen für Vladik. – Schon zurück? – fragte die Mutter. – War sowieso nichts los. Und Vladik? – Dein Schatz schläft. Na, wenn du schon da bist, gehe ich heim. Olga schloss die Tür und versuchte zu schlafen. Erst am frühen Morgen nickte sie ein. Beim Frühstück fütterte sie Vladik, der nicht essen wollte. – Wenn du die Grütze nicht isst, wirst du nie so stark wie dein Papa. So groß und schön war er… – Meinst du mich? Das höre ich gern. Und das ist also mein Sohn? – hörte sie plötzlich eine Stimme an der Tür. Olga ließ den Löffel fallen. – Du? Wie? Woher? – Maxim grinste. – Ich hab dir doch gesagt, ich finde dich. Dass ich inzwischen Vater geworden bin, wusste ich nur nicht. Damals hab ich in der Aufregung nicht mal nach deiner Adresse gefragt. Aber das Schicksal wollte wohl, dass wir zusammengehören, – sagte er und zog eine Grimasse für Vladik. Der lachte quietschvergnügt. Am Morgen traf Olgas Mutter einen strahlenden Olga und einen fremden Mann, der Vladik huckepack trug. – Er ist es? – fragte Mutter. – Ja, – lächelte Olga glücklich. Die Mutter trat zu Maxim und reichte ihm die Hand: – Ich bin Leni Becker. Was für ein Mann und Vater du bist, werde ich sehr genau beobachten. Maxim drückte ihre Hand und nickte feierlich: – Verstanden.