Der Verlorene

Verloren

Der Hund saß brav auf den Stufen eines Supermarkts in München und schenkte den misstrauischen Blicken der Passanten keine Beachtung. Sie schlängelten sich an ihm vorbei, murmelten leise vor sich hin und warfen nervöse Blicke auf die weiße Haube aus Schnee, die sich auf seinem zotteligen Kopf angesammelt hatte. Der Hund war groß, was die Leute noch mehr verunsicherte er trug weder Maulkorb noch einen richtigen Leinenzug, nur ein simplen Knoten um das Treppengeländer. Vertrauen erweckte das nicht.

Natürlich ahnten die Menschen nicht, dass der Hund längst durchgefroren war. Selbst hätte er jemanden schnappen wollen, er hätte es nicht geschafft: Die Pfoten taub, die Augen müde dennoch hielt sich der Hund eisern an die Anweisung seines Herrchens. Er sollte hier warten, hat er gesagt, und das tat der Hund, wie er es immer gelernt hatte.

Hey, du Zottel! Wem gehörst du?

Die Stimme klang jung, und so reagierte der Hund erst etwas später. Sein Herrchen hatte eine ganz andere Stimme kräftig, durchdringend, bestimmt. Doch die Stimme, die ihn nun angesprochen hatte, war ganz anders. Unsicher, brüchig, so als wüsste ihr Besitzer selbst nicht genau, was er in dieser Welt zu suchen hatte.

Na, Alter! Dich hats ja übel erwischt Und wo ist dein Herrchen?

Jemand streichelte entschlossen über den Kopf des Hundes, wischte den nassen Schnee ab und berührte vorsichtig seine kalte Nase.

Mann, bist du eiskalt! Wie lange sitzt du denn schon hier?!

Der Junge war noch ein echter Teenager. Er wippte von einem Bein aufs andere auf den Stufen, präsentierte dem Hund seine dünnen Turnschuhe und schien nicht bereit, Antworten abzuwarten.

Bin gleich wieder da!

Mit einem Satz übersprang er eine Stufe, drückte die Tür des Supermarkts auf, und der Hund winselte ihm leise nach, nicht ganz verstehend, warum er schon wieder verlassen wurde. Der Einzige, der ihm seit Stunden Beachtung geschenkt hatte, ließ ihn jetzt einfach zurück, ohne zu erklären, was mit Herrchen los war.

Aber die Antwort war ganz einfach.

Dem Herrchen war es im Laden plötzlich schlecht geworden. Die Security rief einen Krankenwagen, der am behindertengerechten Eingang hielt; dort wurde der bewusstlose Mann ins Krankenhaus gebracht. Niemand kam auf die Idee, nach dem Hund zu suchen, mit dem er den Supermarkt betreten hatte.

Dem Jungen brauchte es nur ein paar Minuten, um das alles herauszufinden, und schon eilte er zurück auf die Treppe, wo der Hund schon wieder träge wartete, den Kopf gesenkt.

Hör mal, so geht das nicht, Kumpel!, kniete sich der Junge zu dem Hund und kraulte ihn noch einmal. Heute wird niemand mehr kommen. Es ist eiskalt. Willst du zu mir? Ich bin nicht dein Herrchen und hab auch kein Leckerli, aber ich könnte dir einen Napf Brei kochen.

Der Hund antwortete nicht. Er hob träge den Kopf und lauschte der Stimme des Jungen, doch weil diese so gar nicht nach seinem Herren klang, überkam ihn wieder die trübe Sehnsucht.

Verstehe schon!, seufzte der Junge, stand auf und versuchte, den Knoten zu lösen. Ob du willst oder nicht ich lasse dich nicht hier! Komm!

Das Kommando war nicht gerade vorschriftsmäßig. Solche Regeln kannte der Hund: Zu Fremden sollte er nur auf Herrchens Erlaubnis hingehen. Er regte sich nicht, bis der Junge sich noch mal zu ihm kniete, ihn kraulte und ganz leise bat:

Komm schon, bitte. Es ist wirklich kalt. Und dein Herrchen kommt heute bestimmt nicht mehr. Aber wir finden ihn wieder.

Irgendwas in dieser Stimme ließ den Hund langsam aufspringen. Seine steifen Pfoten gehorchten kaum, aber der Junge drängte ihn nicht. Geduldig wartete er, hilft dem Hund, und mit vorsichtigen Schritten gingen sie zusammen die Treppe hinab immer wieder blickte der Hund zum Supermarkt zurück.

Der ist da nicht mehr!, verstand der Junge sofort. Er ist im Krankenhaus. Erstmal wohnst du jetzt bei mir. Wenn Tante Paula uns nicht rausschmeißt.

Mit einem schiefen Grinsen führte er den Hund durch verschneite Straßen, vorbei an Plattenbauten, bis zu einem alten Mehrfamilienhaus. Im engen Fahrstuhl, der im Vergleich zu dem weiten Aufzug, den der Hund von zu Hause kannte, winzig war, staunte der Hund nicht schlecht. Schließlich klingelte der Junge an eine Tür und meinte grinsend:

Na, jetzt gehts rund

Weiter kam er nicht. Die Tür flog auf, und eine große, mollige Frau füllte sofort mit kräftiger Stimme das Treppenhaus aus:

Maximilian, du mein Unglück! Wo treibst du dich denn herum?! Zum Bäcker schick ich dich alles lass ich selber machen, dann wäre ich längst ein unsterbliches Pony! Und das hier, was ist das?!

Der Hund duckte sich, zog an der Leine, doch weglaufen ging nicht.

Tante Paula, es ist nur für heute! Er hat sich verlaufen!

Wo hast du den Rabauken überhaupt her?, wurde ihre Stimme plötzlich weich, und sie trat heraus, um mit ihrer großen, warmen Hand über das nasse Fell zu fahren, rieb ein Ohr, griff sanft nach dem Halsband:

Und wie heißt du, du Ungeheuer?

Das Metallplättchen antwortete für ihn.

Herakles. Himmelherrgott, deinem Herrchen fiel wohl kein normaler Name ein! Ab sofort bist du Hera, kapiert?

Der Hund sah sie an. Sie wirkte gar nicht mehr so bedrohlich Glück gehabt, dachte er. Erst der Junge, der ihn von den kalten Treppenstufen geholt hatte, nun diese Frau

Na los, rein mit euch! Füße waschen, beide! Maximilian! Gilt auch für dich! Und wo sind überhaupt deine neuen Winterschuhe?

Die liegen doch im Karton, setzte Maximilian den Hund in der Diele auf die Matte, jagte ein Tuch, um dem Hund die Pfoten abzuwischen.

Warum sind die im Karton? Wieder für später aufgehoben?, murmelte Paula liebevoll, während sie Maximilian über den Kopf strich so wie eben Hera. Und leben willst du auch nur später? Schuhe an, basta. Zeit fürs Abendessen. Ich hab Nudelsuppe gekocht, und Brei gibts auch. Erstmal müssen wir deinen Gast hier füttern. Und dann will ich alles wissen!

Herakles spürte, wie Maximilian seiner Tante nachschaute, die im Türrahmen der Küche stand, von wo der Duft ihn fast willenlos machte. So schauen Welpen zur Mutter hin voller Bewunderung und stillem Respekt.

Natürlich wusste Herakles nicht, dass sie in der Münchner Straßenbahnwerkstatt, wo Paula Meisterin war, alle nur respektvoll Onkel Paul nannten in Anerkennung ihrer Kraft und Souveränität, die sie ganz selbstverständlich ausstrahlte, ohne zu wissen, wie sie auf die Menschen wirkte. Sie war in jeder Hinsicht einzigartig. Von ihrem Beruf, als einziger Frau in leitender Position im Männerteam, bis zu ihrer Gabe, mit jeder und jedem Kontakt zu finden egal, wie alt, welchem Stand oder welchem Geschlecht. Kinder mochten sie, Freundinnen respektierten sie, und Männer hatten einen Heidenrespekt.

Das war nicht immer so gewesen. Paula, früher zart und schüchtern, die nur ihre Mutter liebevoll so nannte, war verheiratet und Mutter geworden, nur um dann binnen einem Tag alles zu verlieren: Mann und Sohn gingen gemeinsam unter, als der Vater nach ein paar Bier bei einem Angelausflug mit dem kleinen Boot kenterte.

Trauer überwältigte Paula damals so sehr, dass sie kaum atmen konnte. Um sie herum war nur noch Dunkel. Sie hörte weder auf ihre Mutter, die sie anflehte, doch wieder in den Himmel zu schauen, noch auf die Freundinnen, die bald aufgaben.

Die Nacht wurde ihr ständiger Begleiter. Tagsüber weinte sie, spielte mit den Spielsachen des Sohnes, die sie nicht weggeben wollte nachts waren da nur Schatten, und sie meinte, jeden Moment würde das Bettchen knarzen, in dem ihr Sohn immer so lustig aufsprang, oder ein Spielzeug gackern wie damals der Plüschhahn, den er zum Einschlafen brauchte. Immer wieder griff sie nachts nach ihm, lachte leise, pustete ihm in den Nacken, damit nur schöne Träume kamen

Nur Paulas Mutter begriff, wie gefährlich diese Einsamkeit war. Sie täuschte erst eine Krankheit vor, dann wurde sie ernsthaft krank, und erst die Angst, auch die Mutter noch zu verlieren, ließ Paula das Zimmer verlassen, in dem sie ihr Glück verloren hatte. Sie pflegte die Mutter gesund und als sie ging, war der Schatten verblasst. Paula lernte, für das Vergangene dankbar zu sein, anstatt das Schicksal zu verfluchen. Wie schwer das war, wusste nur sie selbst.

Eine neue Familie entstand trotzdem nicht für Paula. Mangel an Verehrern hatte sie nicht, sie war schön mit jener natürlichen, kraftvollen Schönheit, die sich keine Mode vorschreiben lässt. Sie ging stolz und schlicht durch die Welt, wusste, warum die Männer ihr nachsahen und die Frauen manchmal spotteten.

Aber die Angst vor erneutem Verlust blieb in ihr. Nach dem Tod der Mutter lebte sie allein in zwei Zimmern einer großen Münchner Altbauwohnung, die früher eine WG gewesen war bis Maximilian einzog, ein Waisenjunge, dem ein Zimmer zustand.

Als sie ihn zum ersten Mal sah, war Paula skeptisch.

Wer bist du?, musterte sie den mageren Jungen mit zu kurzen Jeans, alter Kapuzenjacke und abgetragenen Turnschuhen.

Waisenkind?, sprach sie weiter, ohne die Papiere zu sehen, die Maximilian ihr hinhielt.

Was geht Sie das an?!, fuhr der Junge auf fast schon feindselig.

Nichts. Das da ist dein Zimmer. In der Küche sprechen wir später. Mach sauber hinter dir, Klodeckel runter, einmal pro Woche Küche und Flur wischen. Kapiert?

Von wegen! Sie werden mir nicht befehlen! Ich hab hier genauso das Sagen!

Schon klar, lächelte Paula und zeigte auf die Tasche an seinem Fuß. Nicht viel dabei. Hast du Löffel und Tasse? Nicht? Dann frag halt, wenn du Hunger hast. Ich geh jetzt zur Arbeit. Sperre meine Tür nicht ab. Wenn etwas fehlt, Gnade dir Gott. Sonst leb wohl.

Danke auch!, knurrte Maximilian und schlich in sein Zimmer.

So begann ihr Zusammenleben.

Das zweite Kennenlernen dauerte länger. Maximilian gewöhnte sich an die Routine, übernahm freiwillig Aufgaben im Haushalt, und beeindruckte Paula mit seinem Ordnungssinn. Über sein inneres Leben wusste sie wenig. Sie wartete ab.

Meist trafen sie sich frühmorgens in der Küche, grüßten sich höflich, und gingen ihrer Wege, ahnten nicht, dass das Schicksal sie fest verband.

Eines Tages fiel Paula auf, dass der von Maximilian gekaufte Viertellaib Brot in der Kiste vertrocknete etwas stimmte nicht.

Maximilian hatte ein besonderes Verhältnis zum Brot, sammelte Krümel und aß sie. Paula wusste nicht, dass er als Kleinkind eine Woche bei seinem Vater, der sich um nichts kümmerte, nur eine halbe Brotscheibe mit der Katze teilen konnte seine einzige Nahrung.

Damals war Maximilian vier. Die Mutter bei der Geburt gestorben, den Vater kümmerte das kaum; nur aus Angst vor den Nachbarn behielt er den Sohn, kümmerte sich aber nicht. Das Sorgerecht ging bald ans Heim.

Schlecht ging es ihm dort nicht. Er mochte die Ordnung, den vollen Brotkorb, die Angebote, zur Bibliothek zu gehen, aber immer träumte er von seinem eigenen Zuhause, in dem er selbst regieren konnte und endlich eine Katze wenigstens haben durfte. An einen Hund traute er sich gar nicht zu denken.

Mit den Jahren arbeitete Maximilian, eingerichtet in seinem eigenen Zimmer, plante schon mit Paula über ein Kätzchen zu sprechen, als er krank wurde nichts Schlimmes, dachte er, doch die Erkältung wurde schlimmer, bis Paula, statt sich an ihre Prinzipien zu halten, doch nachsah er brannte völlig, lag fast bewusstlos im Bett.

Erst einen Tag später wachte er auf, Paula wachte an seinem Bett, der Tropf von der Nachbarin, einer Krankenschwester.

Na, endlich, legte sie die Hand auf seine Stirn und atmete auf. Du hast mich erschreckt! Warum hast du nicht Bescheid gesagt?

Warum?, krächzte Maximilian.

Sonst wärste hier still verreckt! Nein, mein Lieber, du wirst gesund! Willstn Tee?

Ja, antwortete Maximilian.

Irgendwie war es schön und warm, dass diese merkwürdige Frau, vor der er durchaus Respekt hatte, jetzt bei ihm saß. Der Tee mit Himbeermarmelade schmeckte wie nie zuvor, und plötzlich liefen ihm Tränen übers Gesicht. Zum ersten Mal fühlte er sich nicht mehr allein.

Er wusste plötzlich: Er war daheim.

Mit der Zeit nahm Maximilian Paulas Fürsorge an und aß, was sie kochte aber erst, als sie einlenkte:

Du bringst die Zutaten, ich koch. Am Anfang gehen wir gemeinsam einkaufen; du musst noch lernen, wie man anständiges Fleisch und Gemüse auswählt. Einverstanden?

Das gefiel Maximilian. Endlich durfte er hemmungslos zulangen, besonders bei Paulas kräftiger Nudelsuppe.

Als sie den ausgesetzten Hund, aufgelesen beim Supermarkt, ganz selbstverständlich aufnahm, wusste Maximilian, wie wenig Platz jetzt noch in seinem Herzen frei war. Der Raum, den Tante Paula einnahm, erinnerte sehr an das Foto seiner Mutter der einzigen Erinnerung aus Kindertagen.

Erzähl mal, Maximilian, wie hast du ihn gefunden und wie ist er allein geblieben? Nicht dass noch einer denkt, du hättest den Hund geklaut, mahnt Paula beim Abendessen, stellt Maxi eine Schüssel Suppe hin, dem Hund Haferbrei. Guck an! Der rührts nicht an Na, was sollen wir mit dir bloß machen?

Der Hund dreht sich weg, legt sich flach auf den Boden, die Menschen beäugend.

Jetzt hör aber auf!, schaltet Paula streng, und der Hund richtet sich sofort auf. Iss, komm! Sonst sagt dein Herrchen noch, wir hätten dich gequält! Er schafft das schon! Und dich holt er auch wieder ab. Bis dahin musst du eben hierbleiben und hier verhungert niemand!

Paula lacht, nimmt das Geschirrtuch vom Blech voller Apfelkücherl.

Na los, Maximilian! Ich schenk dir noch Tee nach, und dann rufen wir beim Krankenhaus an und fragen nach dem Hundebesitzer. Hast du rausgefunden, wohin sie ihn gebracht haben?

Aber sicher!

Na wunderbar! Los, iss! So dürr wie du bist wie soll ich dich bloß unter die Haube bringen? Mädchen sind keine Hunde, die springen nicht auf Knochen!, lacht Paula, und schiebt ihm den Blechkuchen näher.

Herakles blieb beinahe vier Wochen bei ihnen, bis der Besitzer ihn endlich abholen konnte und seine Dankbarkeit kaum in Worte fassen konnte.

Was kann ich für Sie tun? Sie haben mir praktisch das Leben gerettet! Herakles war das letzte Geschenk meiner Tochter, bevor sie nach Hamburg zog. Sie ist Meeresbiologin, inzwischen mit Mann und Kindern ganz weit weg und ich hier, ganz allein. Hätte ich Herakles nicht gehabt, hätte mich die Einsamkeit längst aufgefressen!

Warum ziehen Sie nicht zu ihr?, fragt Maximilian, und Paula bringt ihn mit einem Blick zum Schweigen, während der Mann nachdenklich schaut.

Da haben Sie recht Vielleicht wirds Zeit

Mit einem Leinenruck nimmt er Herakles an sich. Schon an der Tür fragt er noch einmal:

Wie kann ich das wieder gut machen?

Paula folgt ihm auf den Flur, flüstert ihm etwas ins Ohr und zwei Tage später erlebt Maximilian eine Überraschung, als er heimkommt: Ein tapsiger, dicker Welpe wackelt ihm entgegen.

Paula drückt ihm den Putzlappen in die Hand und brummt mit streng zusammengezogenen Brauen:

Na, dann dein eigenes Haustier! Das wird Spaß machen, sag ich dir. Die Anleitungen und den Impfpass findest du auf deinem Tisch. Die Nummer vom Tierarzt auch. Für den Rest hat dir Gerdas Herrchen schöne Grüße dagelassen er zieht wirklich bald um zu seiner Tochter. Aber erst, wenn du alles übers Hundehaben weißt, fährt er los. Sag mal, weinst du?! Hör sofort auf damit! Glück, Maximilian, muss man nehmen, wenns an deiner Tür klopft. Verstanden? Na dann! Jetzt wisch die Pfütze auf und ab zum Abendessen!Maximilian ließ sich widerstandslos auf den Küchenstuhl sinken, während der kleine Welpe noch ungeschickt, mit tapsigen Stummelbeinchen um seine Beine strich und leise fiepte. Einen kurzen Moment war es still in der Küche, als halte selbst die Welt draußen vor dem Fenster den Atem an. Dann legte Paula dem Jungen eine kräftige Hand auf die Schulter, und Maximilian wusste, ohne dass es ausgesprochen werden musste: Von jetzt an gehörte er wirklich hierher.

Mit dem ersten Sonnenstrahl am nächsten Morgen sprang der Welpe mit wildem Übermut aufs Bett, schleckte Maximilian übers Gesicht und bellte so laut, dass Tante Paula aus der Küche lachte. An diesem Tag war Schnee angekündigt, aber in der Wohnung roch es nach Zimt und warmer Milch. Maximilian rieb verschlafen die Augen, doch als er das kleine Fellbündel ansah und Paulas brummige Stimme Beeil dich, sonst wird die Suppe kalt! durch die Tür klang , spürte er ein Gefühl, das er lange nicht mehr gekannt hatte: Hoffnung.

Und so begannen ihre Tage neu, gefüllt mit Spaziergängen im knirschenden Schnee, Stöckchenwerfen und gemeinsamen Abendessen. Der kleine Hund lernte schnell, Paulas Regeln zu achten, und auch Maximilian wuchs mit jeder Verantwortung ein Stück mehr in sein eigenes Leben hinein. Manche Nächte waren immer noch einsam, aber jetzt atmete auf dem Flur ein zweites, warmes Herz.

Was Maximilian erst viel später begriff: Es war gar nicht der Welpe allein, der ihn gerettet hatte. Es waren die offenen Türen, das gemeinsame Lachen am Küchentisch, Paulas feste Umarmungen das niemals ausgesprochene Versprechen, dass Familie oft dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet.

Und manchmal ganz selten , wenn draußen das Licht der Straßenlaternen wie funkelnde Sterne auf dem Schnee tanzte, glaubte Maximilian, für einen Augenblick auch die Stimmen derer wiederzuhören, die er verloren glaubte. Er lächelte in die Dunkelheit und wusste: Alles, was zählt, war jetzt hier, und es war genug.

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Homy
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