Rentnerin Lili (oder wie alle sie nannten, Lili) Dimitrijewna seufzte schwer und drehte sich mühsam auf die andere Seite. Ihre Gelenke schmerzten, die Beine waren stark geschwollen. Sie war es leid, ständig von Arzt zu Arzt zu gehen und von den endlosen Behandlungen erschöpft.

Rentnerin Mathilde (die von allen nur Tilda genannt wurde) atmete schwer durch und drehte sich mühsam auf die andere Seite. Die Gelenke schmerzten, die Beine waren angeschwollen. Sie war es leid, von Arzt zu Arzt zu laufen, die Behandlungen hatten sie erschöpft.

Mathilde lebte allein in einer kleinen Altbauwohnung in Leipzig und war nie verheiratet gewesen. Vor langer Zeit hatte sie aus einer Jugendliebe einen Sohn bekommen. Da klingelte es an der Tür. Sie schleppte sich langsam hin und öffnete.

Vor ihr standen ihr Sohn Markus und Schwiegertochter Annemarie. Neben ihnen ein vierjähriger Enkel, Paulchen genannt, dessen kleine Hände fest ein Spielzeugauto umklammerten. Und ein riesiger Hund.

Mama, wir müssen los. Wir fahren gleich wieder zurück nach München. Paul und Schnitzel bleiben ein paar Tage bei dir. In fünf Tagen sind wir spätestens zurück und holen die beiden wieder ab, sagte Markus hastig.

Aber Ich bin doch krank, kann kaum laufen, stammelte Mathilde, die sich am Türrahmen festhielt.

Wir würden dich nicht bitten, glaub mir. Aber können doch kein Kind und so einen großen Hund mitnehmen, acht Stunden Autofahrt. Meine Mutter Sie ist nicht mehr da, sagte Annemarie zitternd und begann zu weinen.

Gleich darauf begann Paul zu weinen und der Hund seufzte tief. Da wurde Mathilde klar: Da muss ich jetzt durch!

Die Krankheit hatte sie vor einem halben Jahr erwischt.

Mathilde war zwar erst 60 geworden, doch überall in der Stadt sah man Senioren mit Krücken; die Gesundheit kann schnell vorbei sein.

Mathilde wusste auch, dass Annemaries Mutter, Frau Irmgard, schwer krank gewesen war. Annemaries Vater war schon einige Jahre tot. Und jetzt war auch die Schwiegermutter schnell an der Krankheit gestorben, und das, obwohl sie jünger war.

Inzwischen waren Markus und Annemarie schon weg. Mathilde spürte wieder ihre Schmerzen im Bein und in den Schultern und blickte auf ihren Enkel und den Hund.

Das Kind umarmte den riesigen Hund und der schleckte ihm liebevoll das Gesicht.

Paulchen Beißt er nicht? Und warum sieht er so gefährlich aus? Ihr hättet euch ruhig einen Pudel zulegen können! Was ist das überhaupt für einer? brachte Mathilde hervor.

Das ist unser Schnitzel, ein Deutscher Boxer. Der ist lieb und heißt wirklich so, antwortete Paul und streichelte den Hund weiter.

Mit dem muss man aber Gassi gehen, oder? Mathilde griff sich ans Herz.

Sie hatte nie einen Hund gehabt nur Katzen, aber die waren schon lange nicht mehr da.

Ihr Herz zog sich zusammen vor Trauer um Irmgard, die Schwiegermutter, die so früh gegangen war.

Und jetzt sollte sie mit ihrem schmerzenden Körper einen lebhaften Jungen und einen Riesenhund betreuen? Aber es half ja nichts.

Wir müssen raus, Oma! Schnitzel will an die frische Luft. Und ich auch, seufzte Paul, zog schon die Stiefel an.

Mathilde wusste später nicht mehr, wie sie nach draußen kam. Der Kleine reichte ihr die Leine und nahm sie an die Hand. So kamen sie auf die Straße.

Seit einer Woche war Mathilde nicht mehr vor die Tür gegangen die Schmerzen hatten sie gefesselt. Jetzt aber bewegte sie sich, mit Mühe und Tränen in den Augen. Herr, schenke mir Kraft, bat sie innerlich. Niemand sonst da, der helfen könnte!

Schnitzel trottete brav nebenher. Er zerrte nicht an der Leine, beachtete keine anderen Hunde.

Mathilde respektierte den Boxer plötzlich und wurde sogar ein bisschen stolz, als sie an den Nachbarinnen vorbei kam, die auf der Bank saßen und tuschelten.

Na schau einer an, Besuch für dich? Dabei meintest du doch, du bist krank! Wie willst du denn mit Kind und Hund klarkommen? Das schafft dich doch ganz! Na Junge, warum bist du bei der kranken Oma? rief Frau Zenner aus dem fünften Stock über den Hof.

Mathilde spürte, wie Pauls Hand sich verkrampfte. Selbst Schnitzel drehte den Kopf vorwurfsvoll.

Ach, schwatzt nicht, ihr Klatschweiber! Euch bringt ja keiner die Enkelkinder, deswegen seid ihr neidisch! Ich hab Paul selber gebeten, zu mir zu kommen. Und krank bin ich auch nicht, es geht schon, und der Hund der ist Preisgewinner auf Ausstellungen, so was! Redet nicht so viel Unsinn, und wenn euch wirklich interessiert, Markus und Annemarie sind zur Beerdigung von Annemaries Mutter gefahren, nicht in Urlaub! entfuhr es Mathilde und sie lief, fast ohne es zu merken, weiter; fast energisch sogar.

Nicht hinhören, Paulchen. Oma ist immer für dich da! sagte sie im Aufzug und nahm den Jungen in den Arm.

Oma fliegst du auch auf den Himmel, wie Oma Irmgard? Mama und Papa haben mir erklärt, sie wohnt jetzt da. Aber Opa ist ja auch schon dort, sie auch und ohne dich bin ich dann allein. Versprich mir, du fliegst nicht fort! weinte Paul und klammerte sich an Mathildes Knien fest.

Nein, mein Schatz. Was redest du? Ich bleib bei dir! Da kannst du sicher sein! Ich bring dich zur Schule, bis zum Studium und selbst zum Bund schick ich dich mal! Deine Oma ist immer da, Paulchen! drückte Mathilde das weinende Kind an sich.

Wider alle Schmerzen machte sie Abendessen, ging einkaufen und am Abend noch mit Schnitzel spazieren. Der Hund trottete wie immer gelassen neben ihr.

Als Enkel und Hund schliefen, kam Mathilde nicht drumrum, ihre Medizin zu nehmen. Alles tat ihr weh, als hätte sie die ganze Nacht am Bau gerackert. Aber sie wusste genau: Es gab niemanden sonst. Sie hörte immer noch Paulchen weinen, sah seine Angst, ganz ohne sie zu sein.

Herrgott, gib mir doch ein bisschen Linderung. Lass nach, bitte, wenigstens für den Jungen! flüsterte Mathilde.

Am nächsten Tag spielten sie mit Autos und Mathilde bemerkte verblüfft, wie sie selbst auf dem Boden herumkroch. Das hatte sie seit Ewigkeiten nicht gemacht! Sie kochten zusammen Haferbrei; später badeten sie Schnitzel, der sich vorher fröhlich in Pfützen gewälzt hatte.

Ganz unvermittelt gab Mathilde dem Hund einen Kuss.

Warum dachte ich bloß, er sei gefährlich? Der ist ja so schön und so klug. Ein Wunderhund! sagte sie zu sich, während sie Schnitzel abtrocknete.

Paulchen, warum heißt er eigentlich Schnitzel? fragte sie ihren Enkel.

Der Junge kicherte.

Er isst so gern Schnitzel! Und eigentlich hat er einen ganz feinen Namen mit S, aber Schnitzel passt viel besser, lachte das Kind.

Die Tage flogen nur so dahin! Geschichten wurden vorgelesen, Paul zeigte der Oma am Tablet, wie man Märchen schauen konnte.

Sie wiederholten ABC, der pfiffige Junge fing an, Wörter zu legen. Schnitzel liebte es, im Sessel zu schlummern, und bettelte manchmal um Eis oder etwas Käse.

Mama, wie gehts euch? Entschuldige nochmal, wir mussten einfach los. Noch ein, zwei Tage bleiben wir sicher. Ich weiß gar nicht, wie du das machst mit Paul und dem Hund. Aber wohin hätten wir sie geben sollen? fragte Markus am Telefon.

Ihr macht euch zu viele Gedanken. Ich bin doch die Oma, oder nicht? Bleibt so lange, wie ihr müsst und haltet Annemarie bloß bei Laune. Und um mich macht euch keine Sorgen! Probleme lassen sich lösen und alt werden wir schließlich alle. antwortete Mathilde mit Zuversicht.

Als Markus und Annemarie wieder nach Leipzig zurückfuhren, malten sie sich finstere Szenarien aus: Mathilde, kaum gehfähig, mit Kind und Hund, und jetzt?

Markus, ist das deine Mutter? Die da läuft? stotterte Annemarie.

Das gibts doch nicht, sagte Markus nur staunend.

Über den Hof galoppierte Mathilde, einen Ball vor sich herschiebend. Dabei war sie monatelang kaum gegangen! Paul und Schnitzel rannten juchzend hinterher.

Als es Zeit war, zu fahren, klammerte sich Paulchen an die Oma und weinte.

Paul, deine Oma kommt dich in zwei Wochen besuchen! Wir gehen zusammen ins Café! Und Karussell fahren wir auch! Warte auf mich, ja? hob Mathilde das Kind auf die Arme, die noch vor kurzem keinen Wasserkessel heben konnten.

Mama! Der ist doch schwer! rief Markus empört.

Ach was! Warte auf mich, Paulchen! Es wird alles gut! Adieu, Schnitzel! Die Oma kommt bald wieder und holt dich für einen Spaziergang ab! lachte Mathilde.

Mathilde war meine Nachbarin sie hat mir ihre Geschichte erzählt. Sie konnte tatsächlich kaum laufen und war schwer krank. Und dann, ganz plötzlich, kam Bewegung in ihr Leben. Bis heute wundern sich noch alle im Haus darüber.

Paul und Schnitzel, die haben mich geheilt. Zipperlein bleiben, aber das ist nichts. Man darf sich nicht ins Bett legen, sonst steht man gar nicht mehr auf! Und Selbstmitleid bringt einen nicht weiter.

Nicht immer helfen Kliniken oder Tabletten. Doch die Liebe wirkt Wunder! Ich fragte mich: Was wird ohne mich aus dem Kind und dem Hund werden? Und stand auf! Und fing an, wieder zu gehen! Weil ich gebraucht werde!

Ich habe einen Grund zu leben! Egal wie schlecht und schmerzhaft es ist: Steht auf und geht! Für die kleinen, vertrauensvollen Kinderhände in euren Händen. Es ist das Schönste, was es gibt!

Für Kinder, für Männer, für Hunde und Katzen, die euch ebenfalls brauchen!

Betet zu Gott, sammelt eure Kraft zusammen. Es gibt fast nichts, was der Mensch nicht bewältigen könnte. In schwierigen Zeiten entwickelt der Körper ungeahnte Kräfte.

Und genießt jeden Tag, freut euch an jedem Lächeln! Das, meinte Mathilde, wollte sie allen sagen, die zuhören.

Freunde, wenn ihr mehr von solchen Geschichten lesen möchtet, lasst einen Kommentar da oder zeigt es mit einem Gefällt mir. Das motiviert uns, weiterzuschreiben!

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Homy
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Rentnerin Lili (oder wie alle sie nannten, Lili) Dimitrijewna seufzte schwer und drehte sich mühsam auf die andere Seite. Ihre Gelenke schmerzten, die Beine waren stark geschwollen. Sie war es leid, ständig von Arzt zu Arzt zu gehen und von den endlosen Behandlungen erschöpft.
„Wie, du gehst nicht zu Mamas Jubiläum? Und wer soll dann das Essen kochen und die Gäste bedienen?“ – empörte sich der Ehemann