An der Bundeswehr-Universität lehrte eine promovierte Dozentin.

An der Bundeswehr-Universität unterrichtete eine Ärztin, Frau Dr. Katharina Vogel. Ihr ganzes Berufsleben hatte sie in einer Kinderklinik in München verbracht. Dort erzählte sie einmal eine bemerkenswerte Geschichte. Ihre eigenen Kinder erwischten stets jede mögliche Infektionskrankheit, obwohl sie als Ärztin auf Hygiene sehr achtete. Die Kinder waren lebhaft und fröhlich, aber trotzdem schienen sie jeden Virus aufzulesen, den sie irgendwo behandelte.

Natürlich achtete Frau Dr. Vogel peinlich genau auf Sauberkeit: Zuhause duschte sie sich immer zuerst, zog frische Kleidung an und wusch sorgfältig die Hände. Doch die Kinder wurden immer genau mit den Krankheiten krank, gegen die sie tagsüber kleine Patienten behandelt hatte. Und immer, wenn sie einen besonders schweren Fall betreute, wurden ihre Kinder prompt krank. Weder Vitamine noch regelmäßiges Lüften oder Wechselduschen halfen, und so war die Ärztin irgendwann völlig verzweifelt.

Eines Tages, nach einem anstrengenden Arbeitstag mit einem komplizierten Fall, ging sie mit einem mulmigen Gefühl nach Hause beinahe sicher, dass die Kinder wieder krank werden. Doch dieses Mal zögerte sie. Statt direkt heimzugehen, besuchte sie spontan das Kino am Stachus und sah sich einen Abenteuerfilm mit Indiana Jones an. Mit einer Mischung aus schlechtem Gewissen und Begeisterung betrat sie später ihre Wohnung. Doch zu ihrer Überraschung waren die Kinder gesund und spielten fröhlich.

In den Tagen danach besuchte sie aus demselben Grund eine Freundin in Schwabing, trank mit ihr Tee und lachte über einen Witz. Auch dann blieben die Kinder gesund. Nach und nach entwickelte sie eine neue Gewohnheit: Sie ging nach Feierabend nicht mehr sofort nach Hause, obwohl sie eigentlich müde war und zu Hause allerlei Aufgaben auf sie warteten. Sie schlenderte stattdessen erst durch den kleinen Park in der Nähe, bewunderte die schönen Blumen, setzte sich ein paar Minuten an den Brunnen auf eine Bank und ließ die Seele baumeln. Erst danach ging sie nach Hause und, siehe da, ihre Kinder wurden nicht mehr krank.

Frau Dr. Vogel zog daraus ihre persönliche Erkenntnis: Es lag nicht nur an den Viren und Bakterien. Es hatte vielmehr mit der Stimmung und den Eindrücken zu tun, die sie aus dem Krankenhaus mit nach Hause brachte. Ihre negative Energie, so vermutete sie, machte die Kinder anfällig unabhängig von aller Hygiene. Und die einfache Umstellung ihrer Gewohnheiten brachte die erhoffte Wirkung. Von da an gab es in ihrem Haus keine Krankheiten mehr.

Sie gab ihren Studentinnen und Studenten einen wertvollen Ratschlag: Man sollte nach negativen Erlebnissen nicht direkt zu seinen Liebsten eilen. Trübe Gedanken oder bedrückende Erlebnisse können, selbst unausgesprochen, auf unsere Familien und Freunde überspringen. Nach belastenden Momenten lohnt es sich, die Umgebung zu wechseln, etwas Schönes zu erleben sei es ein Spaziergang im Park, ein gutes Gespräch oder ein Film. Erst gestärkt und mit positiver Energie sollte man wieder zu denen gehen, die einem am Herzen liegen.

Wie genau das funktioniert, müssen Psychologen vielleicht noch erforschen doch eines steht fest: Ein kleiner Umweg durch den Rosengarten oder ein Abenteuer im Kino können Wunder bewirken, bevor wir heimkehren. Es ist wichtig, auf sich selbst zu achten zum Wohle der Menschen, die wir lieben.

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Homy
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An der Bundeswehr-Universität lehrte eine promovierte Dozentin.
Die Wohnung der Schwester schenken? – Von wegen! „Du bist wirklich…“, sagte Frau Petermann streng. „Ich hab dich auch lieb, Mama“, antwortete Julia leise. Was muss eine Tochter tun, um für die Mutter… „die Richtige“ zu sein? Manchmal nichts – sondern einfach aufhören, der anderen, immer bevorzugten Tochter zu helfen. Schließlich gibt es in jeder Familie jemanden, der geliebter ist als die anderen… Und das war natürlich nie Julia. Schon seit der Geburt von Alina war klar: „Gib nach – du bist doch die Ältere! Das Kleine braucht’s mehr, für sie ist’s wichtiger, bequemer, besser – such’s dir aus.“ Und Julia gab immer nach. Sie liebte ja ihre kleine, etwas hilflose Schwester! Hilflos? Na ja, weil Alina nie etwas alleine geschafft hat – immer musste ihr jemand helfen: die Eltern, oder eben Julia. Alle sprangen sofort für sie. Oder wie Oma Olga sagte „kIedelten gleich los“. Im Gegensatz zu anderen liebte die alte Dame ihre ältere Enkelin mehr. Sie meinte, die Eltern würden Julia nicht fair behandeln. Und außerdem waren sie überzeugt: Die Jüngere ist viel hübscher als ihre Schwester, „so eine hübsche Puppe, ganz anders als du!“ Ja, das hat ihre Mutter Julia eines Tages wirklich so direkt ins Gesicht gesagt: „Und dich kann man halt einfach nicht lieben, Punkt!“ Und das, obwohl Julia hervorragend in der Schule war und keinen Ärger machte. Während der Kleinen bis fünfzehn der Zucker in den Tee gerührt wurde… Julia fuhr am liebsten zu Oma: Dort war alles gut und geborgen. Das hat man eben an Orten, wo man einen wirklich mag. Oma Olga wohnte in einer großen 2-Zimmer-Wohnung in Berlin-Charlottenburg. Die hatte noch ihr Mann, Opa Peter, bekommen, als er damals im Siemens-Werk arbeitete. Da wurde Julias Vater Arne geboren und groß – und dahin brachte er später auch seine Frau Alla. Irgendwann nahmen Arne und Alla einen Kredit auf und zogen endlich in die eigene Wohnung. Omas Wohnung war voll mit „ihrem guten Zeug“, wie sie ihre Schätze nannte. Die Mutter schimpfte nur: „Alles Gerümpel!“ Es roch nach Büchern und Gewürzen. Überall lagen gehäkelte Deckchen, von Oma handgemacht. Alle Geräte alt, aber noch funktionstüchtig: „Früher war Qualität eben selbstverständlich!“ „Schmeiß doch das alles raus, dann hast du’s leichter mit dem Putzen!“, meckerte Alla jedes Mal. „Mir fällt das Putzen auch so nicht schwer. Das ist mein Leben! Ich misch mich doch auch nicht in euer Leben ein! Dann lasst mich einfach machen!“ Die Mutter schwieg, gegen Oma hatte sie nie eine Chance. Julia merkte jedes Mal, wie gut das Gefühl war, wenn Oma ihre Mama „besiegte“. Für Mama war das… weniger schön. Oma mischte sich nie in irgendwelche Angelegenheiten ein. Sie kritisierte ihre Schwiegertochter nicht – dabei wusste sie natürlich genau, wie unfair vieles in dieser Familie lief. Oma Olga versuchte mit Arne zu reden: „Was habt ihr eigentlich mit dem Mädchen vor? Ihr hängt alles auf Julia ab!“ Doch sein einziges Kommentar: „Wir regeln das schon!“ Damit war das Gespräch beendet. Die Zeit verging. Zwischen den beiden Schwestern lagen fünf Jahre. Mit 22 heiratete die hübsche Alina. Julia war 27, klug, sympathisch, kein Kind von Traurigkeit – aber an Männern ging trotzdem immer irgendwas schief. Dann starb Oma Olga. Ganz sanft, im Schlaf. Wie sie es sich gewünscht hatte. Was jedoch niemand erwartet hatte: Oma hatte ein Testament gemacht. Alles ging an Julia. Nur an Julia! Die Eltern waren fassungslos – wie bitte? Die geliebte Alina geht leer aus? Unfassbar! Alina hatte inzwischen Mann, Zwillinge und wohnte mit der Familie zur Miete. Julia hatte niemanden, kein Haustier, kein Kind – wozu also ihr eine Wohnung?! Die sollte sie doch gleich der Schwester schenken! Am besten, sie überreicht Alina die Wohnung direkt als Neujahrsgeschenk – wie großherzig. Der Plan: Die ganze Familie feiert Silvester in Omas alter Wohnung. Julia richtet das Essen, macht alles schön, dann steht sie auf und sagt: „Ich schenke die Wohnung Alina, das ist am fairsten!“ Großartige (eigentlich königliche) Idee, fanden die Eltern. Julia sollte die Wohnung bis dahin entrümpeln – alles raus, als Erstes natürlich die verhassten Häkeldeckchen! Selbstverständlich organisiert Julia auch Essen, Geschenke, Schlafplätze für alle – so wie sie es jedes Jahr gemacht hat. Doch diesmal beschließt Julia: Das war’s! Keine Wohnung für die Schwester, kein Familienfest auf ihre Kosten. Sie hat jemanden kennengelernt – Oleg, ein netter Kollege. Er möchte Silvester nur mit ihr feiern! Zum ersten Mal wird Julia an sich selbst denken. Mit einer Freundin und deren Bekannten, einem Makler, verkauft Julia die 2-Zimmer-Wohnung. Sie kauft sich von dem Geld eine Einzimmerwohnung mit großer Küche in Berlin – renoviert, möbliert und direkt an der U-Bahn! Kurz vor Silvester zieht Julia aus. Die Familie glaubt noch, Julia sei in der alten Omi-Wohnung und macht alles für sie bereit. „Hast du den Baum schon geschmückt?“, fragt Mama. „Hab ich“, lügt Julia – tatsächlich hat sie gemeinsam mit Oleg geschmückt. „Hast du guten Sekt?“ „Klar!“ (Den bringt Oleg mit.) „Sind genügend Betten für alle gerichtet?“ „Natürlich, Mama.“ Am Silvesterabend fährt die Familie zu Omas alter Wohnung und wähnt sich im Glück. Doch der Schlüssel passt nicht. Und statt Julia öffnet ein bärtiger, schlecht gelaunter Typ, der in Unterhemd und langen schwarzen Uroma-Schlafhosen mit einem riesigen Hund dasteht. „Was wollt ihr hier?“, knurrt er. „Gleich haut’s was!“ „Wer sind Sie überhaupt?“, fragt Alinas Mann leise. „Ich? Ich bin der neue Bewohner! Sorry, hab’s Smoking nicht mehr aus der Reinigung bekommen, Silvester und so…“ „Und Julia?“ fragt Mama ängstlich. „Ach, die! Die ist weg. Hat gesagt, sie zieht in ein neues Leben!“ Die Familie steht ratlos da. „Und was heißt das?“ „Heißt: Sie hat aus- und ich bin eingezogen! – Ach ja, sie schickt Grüße. Hat gesagt: Wenn die Bagage kommt, schöne Grüße ausrichten und dann ab nach Hause!“ Der neue Besitzer klappt die Tür zu. Die Familie bleibt draußen – und merkt, dass Julia es diesmal wirklich ernst meint. „Du bist wirklich …“, sagt Alla zu ihrer Tochter am Telefon. „Ich hab dich auch lieb, Mama. Frohes Neues Jahr!“ Und Julia ging – diesmal wirklich – in ein neues Leben. Eines, auf das sie sich endlich freuen konnte.