Guten Morgen, Sonnenschein! Birgit trat auf den Balkon ihrer neuen Wohnung, reckte sich genüsslich und klatschte in die Hände, als wollte sie den Sonnenaufgang persönlich begrüßen.
Der Himmel über dem Neckar wurde langsam heller, versprach einen schönen Tag und schenkte die Hoffnung, dass dieser vielleicht ein bisschen besser werden würde als der, der schon in den Annalen der Vergangenheit verschwunden war. Nur wegen dieser Hoffnung stürzte Birgit nicht in den Abgrund der Verzweiflung und schaffte es, Schritt für Schritt ihr Lebensrecht dem Kosmos abzutrotzen.
Birgit hatte ewig nach einer Wohnung gesucht, den Makler beinahe in die Knie gezwungen und ihn mit ihren Sonderwünschen halb in den Wahnsinn getrieben.
Was stimmt denn jetzt mit dieser Wohnung wieder nicht? fragte der Makler jedesmal bereits leicht gequält. Hohe Decken, nette Nachbarn, alles frisch renoviert.
Die Fenster sind nach Norden, dabei liebe ich doch die Sonne!
Aber die Wohnung davor die hatte Fenster nach Süden!
Zweiter Stock! erinnerte Birgit ihn und verdrehte demonstrativ die Augen. Hatte doch ausdrücklich gesagt: Nichts unter dem sechsten!
Ach ja, stimmt ja Aber verstehen Sie doch, man kann nicht alles kriegen!
Ach was. Nichts ist unmöglich. Nur der Wunsch, das Unmögliche möglich zu machen, muss groß genug sein dann klappt das schon!, grinste sie den Makler an.
Ob es nun ihr eiserner Wille war oder der Makler einfach seine Nerven schonen wollte, er fand schließlich doch DIE perfekte Wohnung für Birgit.
Ich habs gefunden!, verkündete er am Telefon, während Birgit gerade ein besonders gutes Geschäft gefeiert und sich zur Belohnung zwei Windbeutel in ihrem Lieblingscafé bestellt hatte.
Sind Sie sicher?
Decken, Fenster, Küche, Nachbarn alles, wie Sie es wollten. Aber das Beste, das kommt noch
Und das wäre?
Einziehen, dann sehen Sies selbst!
Und Birgit sah. Stand auf dem Balkon ihrer neuen Wohnung und war sprachlos.
Der Ausblick war so prächtig, dass sie schlagartig vergaß, noch weiterzumeckern.
Das Haus stand auf einem kleinen Hügel. Von Birgits Balkon sah man auf den Fluss, die ganze Stadt, und auf die weiten Felder auf der anderen Neckarseite. Man hätte instinktiv die Arme ausbreiten und losschreien mögen als Kind, wenn man mit Tempo den Berg runterrennt, Angst und Freude im Bauch, aber sicher weiß: Unten fängt Mama einen auf.
Nur niemand fing Birgit mehr auf. Ihre Mutter war vor einem Jahr gestorben. Zehn Jahre lang hatte sie immer wieder gegen die Folgen eines schweren Schlaganfalls gekämpft.
Aber für Birgit waren diese Jahre kein Albtraum, wie ihre Freunde und fast alle Verwandten unkten. Die Mutter war da. Klar, sie brauchte Pflege, aber das ließ sich lösen: Birgit engagierte eine Pflegerin zur Unterstützung, wechselte in den Homeoffice-Modus. Es war hart, die Mutter schwächer werden zu sehen, immer widerwilliger morgens die Augen offen. Aber sie waren zusammen. Birgit sog jeden Moment in sich auf.
Sie erinnerte sich nicht an ihre Mutter als Kranke, sondern als starke, lebenslustige Frau, wie damals am Bodensee das einzige Mal, dass sie zusammen dort waren, Birgit lauter Schnupfen als Kind, Mutter aber überzeugt davon, dass nur Seeluft helfe.
Wir fahren dich am See durchspülen, sagt der Doktor, das ist gut fürs Wohl!
Und so wurde Birgit tatsächlich durchgespült, nicht ständig aus dem Wasser gezogen wie die anderen Kinder.
Ähm, ihre Tochter ist doch schon blau! Geht das klar?
Muss so!, lachte ihre Mutter und schielte nach ihrer Tochter, die unbeholfen in den Wellen strampelte. Mein kleiner Delfin
Birgit nieste während des gesamten Urlaubs nicht ein einziges Mal. Und sie träumte, irgendwann wieder ans Wasser zurückzukehren, in das grünblaue Reich mit Algen und Krebsen, wo das eigene Körpergewicht beinahe verschwand. Die Kraft des Wassers, manchmal sanft, manchmal rau, erinnerte Birgit später immer mehr an ihre Mutter: jemand, der wusste, wann einen festhalten, wann gehen lassen.
Diese Lektion hatte Birgit früh gelernt und war nie jemand gewesen, der sich vor anderen rechtfertigte. Nur vor dem eigenen Gewissen.
Birgitchen, Kind, überleg doch du bist noch jung! Karriere, Leben, und deine Mutter wird wohl nicht mehr gesund. Überleg, ob sie nicht besser ins Pflegeheim sollte, da wird für alles gesorgt, das ist zu deinem Besten!, lamentierten die Tanten.
Birgit stritt nicht. Sie führte die Tanten freundlich hinaus, versprach zu überlegen und stellte auf Sendepause, bis alle verstanden hatten: Mama bleibt zu Hause. Für alles Nötige ist gesorgt, selbst wenn manche Aufträge nachts erledigt werden müssen. Kein Gedanke daran, es je zu bereuen.
Damals schlief sie in Etappen, stand früh auf, kochte starken Kaffee, trat mit der Tasse auf den Balkon, trank in kleinen Schlucken den Lebenselixier, um sich für den Tag zu wappnen.
Der Balkon blickte auf einen Innenhof, eine alte Linde und Nachbargaragen. Birgit träumte: Wenn Mama wieder gesund wird, suchen wir uns gemeinsam eine neue, große, helle Wohnung und bleiben dort für immer glücklich. Das klappte nicht.
Die neue Wohnung musste Birgit nun allein beziehen. Aber sie fühlte sich dabei richtig. Im alten Zuhause, wo sie mit Mama gelebt hatten, konnte sie keine Nacht mehr schlafen.
Beim Kistenpacken, Fotos sortieren, weinte sie mal, lachte dann auch mal aber böse auf das Schicksal war sie nie. Wozu auch? ändern kann man ja nichts. Es ist viel besser, dankbar für das zu sein, was war. Andere hatten nicht mal das Glück erlebt. Sie dagegen hatte alles eine liebende Mutter, ein warmes Zuhause, egal, wie draußen oder in der Familie gerade Unwetter tobten.
Der neue Lebensraum empfing sie mit leeren, hallenden Zimmern, dem Geruch frischer Farbe und staubigen Fensterbänken. Sie riss die Fenster auf, wischte den Boden, trällerte dabei leise, und schmunzelte Gesangstalent war nie ihre Stärke gewesen, worüber ihre Mutter sich stets köstlich amüsierte:
Ach, Birgit! Deine Ohren wurden sicherlich von Bären gekrault!
Mama!
Na komm, sing ruhig! Ist doch egal, wies klingt Hauptsache, mit Herz!
Und Birgit schmetterte, lachte, und schämte sich kein bisschen, dass sie selten einen Ton traf.
Auch im neuen Zuhause wachte sie früh auf, obwohl sie eigentlich keine Verpflichtungen mehr hatte. Der Körper hatte sich wohl an die Morgensonne gewöhnt.
Eine Woche lang trank Birgit ihren Kaffee allein. Die Stadt schlief oft noch, wenn Birgit schon die letzte Tasse austrank. Doch eines Morgens, als sie die Augen dem Sonnenaufgang entgegenblinzelte, hörte sie:
Guten Morgen!
Die Tasse wäre ihr beinahe aus der Hand gefallen. Vor Schreck zuckte sie zusammen, aber lachte dann:
Ihnen auch!
Ihr Nachbar stand auf dem angrenzenden Balkon ein durchaus eindrucksvoller Herr mit buschigem, weißen Bart, zerzaustem weißem Haar und klarem Blick, hinter dem man Lebenserfahrung in Hektolitern ahnte.
Genau genommen waren sie zu zweit. Der eine Nachbar ließ sich genüsslich die Sonne ins Gesicht scheinen, der andere, ein dicker, grauer Kater, balancierte auf dem Balkongeländer, als wäre es ein Drahtseil.
Guter Kaffee, brummte der Nachbar und kraulte den Bart.
Wollen Sie auch? fragte Birgit, verschwand in der Küche und servierte einen zweiten Becher.
Das Geschenk wurde mit würdevoller Stille angenommen. Gemeinsam standen sie da, sahen dem Tagesbeginn zu und schwiegen.
Danke, reichte der Nachbar die Tasse zurück und das wurde der Startschuss für eine neue kleine Tradition.
Fortan trank Birgit ihren Morgenkaffee nicht mehr allein.
Ihr Nachbar hieß Dr. Walter Steiger, ein altgedienter Junggeselle Arzt, passionierter Motorradfan, der ganz Europa auf zwei Rädern erkundet hatte, ansonsten aber nur seinen Kater und, wie sich bald zeigte, das Leben selbst liebte.
Achtung, Birgit, das ist das Einzige, was mir wirklich Rätsel aufgibt. Manchmal sehe ich einen Patienten keine Hoffnung! Und plötzlich kämpft der sich zurück, kommt durch, alle staunen. Andere sind kerngesund, und dann peng. Nichts kann man tun, trotz allem Einsatz.
Das muss wahnsinnig schwer sein?
Und wie! Manchmal frage ich mich, ob ich je genug getan habe selbst wenn der Verstand sagt: Ja.
Verstehe
Sie log nicht. Birgit wusste genau, wovon Steiger sprach sie hatte es bei ihrer Mutter hautnah erlebt, alle Therapien, alle Gutachten der besten Ärzte halfen nicht. Und als ihre Tante damals sagte: Deine Mutter gibt jetzt auf, damit du frei leben kannst! Begreifst du das nicht? Du warst immer ihr Ein und Alles! Da rebellierte Birgits Herz. Sie hatte zum ersten Mal Streit mit ihrer todkranken Mutter:
Mama, hör auf! Du darfst nicht gehen! Ich bin doch sonst allein. Ich weiß, ich bin egoistisch! Aber bitte bleib!
Ihre Mutter hatte sie verstanden. Für einen Moment schien es auch, als würde sie sich nochmal Mühe geben. Doch es blieb ein Trugbild. Walters Worte rührten alte Erinnerungen auf nichts ist so flüchtig wie das Glück.
Nicht traurig sein, Birgit! Vor dir liegt doch noch so viel Schönes!, Walter kraulte den Kater.
Und bei Ihnen?
Ach, vielleicht Im Sommer will ich zu Freunden ans Meer. Wussten Sie, dass ich das Wasser liebe, aber gar nicht schwimmen kann? Habs als Kind nie gelernt und später immer zu viel zu tun. Also plantsche ich am Ufer, und die Leute lachen sich schlapp aber ich genieße es! Menschen um mich, blauer Himmel das reicht.
Darf ich fragen warum Sie… also, warum sind Sie eigentlich allein?
Ach, Birgitchen, berechtigte Frage. Ich antworte offen: Ich hatte mal eine Familie
Kurz huschte ein Schatten übers Gesicht des Nachbarn. Gerade noch der joviale Nikolaus, plötzlich ernst wie ein Stein.
Weißt du, Birgit, ich hatte eine Frau. Liebte sie mehr als mein eigenes Leben. Unsere Eltern waren Nachbarn, wir kannten uns von klein auf, es war fast logisch, dass wir heiraten. Zehn Jahre waren wir zusammen. Dann hat sie sich jemand anderem zugewandt.
Und?
Sie hat den Mann wirklich geliebt.
Hat sie Sie denn nie geliebt?
Doch, nur anders. Schwierig zu erklären. Wenn du jahrelang im Gleichklang lebst, weißt du manchmal selbst nicht, was Liebe wirklich ist. Ich habe sie einfach gehen lassen.
Sie je zurückholen wollen?
Nein. Sie ist doch kein Möbelstückdas musste so sein.
Birgit stellte keine weiteren Fragen. Im richtigen Leben ist eben nichts simpel.
Aus dem morgendlichen Kaffee-Ritual entwickelte sich bald mehr. Birgit spürte, dass sie nicht mehr alleine war jemand interessierte sich ehrlich, wie es ihr ging.
Mit Walter Steiger ließ sich leicht reden. Egal, worüber alles war erlaubt.
Nennt mich ruhig Steiger, Birgitchen. So sagens eh alle hier. In der Klinik häng ich zwar noch am Doktor und Herr Steiger, aber unter uns: Daheim reicht der Nachname.
Und wer füttert eigentlich Ihren Kater, wenn Sie auf Reisen gehen?
Der kommt mit! Hat sogar Helm! Freunde haben das mal geschenkt, gibts echt zu kaufen Kater-Motorradhelm.
Der hat keine Angst?
Wovor denn? Mein Bike ist tiptop. Wir fahren gemütlich, nicht zu wild. Und wenns wieder wärmer wird, fahr ich dich auch mal rum dann weißte, wie Freiheit schmeckt!
Deal!
Birgit freute sich schon wie früher auf einen Kirmesbesuch mit Mama zwar selten, aber dafür ein echtes Event.
Mama, warum schreist du so? rief sie lachend auf dem Karussell.
Festhalten!, rief die Mutter und legte beschützend Arme um Birgit, die doch nur lachte.
Mama, wie peinlich! Physik ich falle da nicht raus. Und überhaupt, warum bist du mit mir hergekommen, wenn dir schwindlig ist?
Na, aus Sorge! Undeinen kleinen Kick darf Mama auch mal haben! Himmel, warum tu ich mir das nur immer wieder an?
Der Sommer kam, Birgit arbeitete an einem Großprojekt, verbrachte Nächte mit Mails und Konzepten und vergaß manchmal sogar den Kaffee. Der wurde dann von Steiger gekocht.
Gerade deshalb merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte, als frühmorgens niemand auf Walters Balkon zu sehen war auch der Kater nicht.
Hallo Nachbarn?! Ist wer da? rief sie.
Nichts. Sie lehnte sich übers Geländer und sah: Die Tür zum Balkon war zu.
Seltsam
In Windeseile klopfte sie an Walters Wohnungstür nur das klägliche Heulen des Katers war zu hören, bitter und durchdringend.
Ich komm gleich, murmelte Birgit, wählte den Notruf und rannte dann zurück in ihre Wohnung im Frühling hatten sie und Walter, aus reiner Vorsicht, Wohnungsschlüssel getauscht.
Falls mal ein Rohr platzt, irgendwas ist dann hast du einen Schlüssel, Birgit.
Und Sie von mir. In letzter Zeit reise ich auch wieder regelmäßig, seit Mama nicht mehr zu versorgen ist.
Walter lag im Flur. Der Kater sprang ihr vors Bein, Birgit kniete sich zu ihm.
Klarer Fall: Schlaganfall.
Dutzende Male hatte sie sich vorgeworfen, bei ihrer Mutter nicht schneller reagiert zu haben. Damals wühlte sie in Fachbüchern, recherchierte die allerschrägsten Tipps, wollte alles tun, um Mutter doch wieder auf die Beine zu bringen. Jetzt hatte das Leben ihr eine zweite Chance gegeben.
Eine Chance, vielleicht diesmal nicht allein zurückzubleiben.
Der Notarzt kam zu spät. Aber als er die zerbrechliche Frau sah, die einen randalierenden Kater in den Armen hielt, fragte er bloß: Woher wussten Sie, was zu tun war?
Mama
Mehr war nicht nötig.
Walter Steiger erwachte in der Klinik mit Birgit an seiner Seite und einer, mit der er eigentlich längst abgeschlossen hatte.
Ingrid, nuschelte er, aber alle im Raum verstanden.
Als Birgit die Station verließ, wusste sie: Dieses Mal wird alles gut. Die Liebe bewirkt zwar nicht immer Wunder, aber bisweilen reicht ein kleiner Hoffnungsschimmer.
Den ganzen Sommer trank sie Kaffee mit Ingrid während Steiger schlief, sich erholte, den Kater im Arm, der keine Sekunde abwich. Futterschüsseln mussten ans Ehebett umziehen.
Wieder vereint, Ingrid?
Ja, Birgit. Danke dir! Du hast mich damals rechtzeitig kontaktiert. Wer weiß, was sonst passiert wäre. Danke
Ach was. Steiger ist ein Guter!
Das weiß ich
Fast vier Jahre sollten vergehen, bevor Birgit Walters Motorrad aus der Garage schob, ihm zuzwinkerte und sagte:
Fertig?
Der Kater war beleidigt, dass Herrchen vorübergehend vom Beifahrersitz verdrängt wurde, lässt es aber geschehen. Birgit tanzte ihm den kleinen Helm aufs Köpfchen, winkte Ingrid zum Abschied zu:
Wir sind gleich zurück!
Ingrid lächelte still, wischte sich verstohlen eine Träne ab, dachte an viele schlaflose Nächte und den dankbaren Händedruck ihres Mannes. An die erste Kaffeetasse, die Walter von Birgit entgegennahm, an das Frühstück und an diesen einen Morgen, an dem sie am Balkon als kleine Familie den Sonnenaufgang erwarteten und wussten: Ab jetzt bleiben wir zusammen.
Ingrid zog die Decke im Kinderwagen zurecht, flüsterte dem schlafenden Baby zu:
Papa ist bei der Arbeit, Mama bringt Opa zur Reha, und wir? Gehen spazieren, mein Kleiner. Los gehts!Die Straßen lagen in goldenes Licht getaucht, als Ingrid mit dem Kinderwagen leise singend durch die Allee spazierte. Über ihr schaukelten die jungen Blätter im Morgenwind, irgendwo flatterte eine Amsel auf und begrüßte keck den Tag. Auf dem Fluss zogen die ersten Ruderer vorbei, und der Stadtturm warf seinen langen Schatten über die Dächer.
Ingrid blieb stehen, sog den Duft der Linden ein und betrachtete die winzige Faust, die aus der Wolldecke ragte. Sie lächelte so viele Abschiede hatte das Leben ihr abverlangt, aber diesmal, so fühlte sie, war ein Neuanfang geschenkt worden. Vergangene Trauer legte sich wie Tau aufs Gras: schwer, aber im Licht schnell vergessen.
Ein Motorenbrummen, leise und doch voller Leben, näherte sich. Ingrid blickte auf: Birgit und Walter waren zurück. Birgits Haare flatterten unter dem Helm, Steiger lachte schallend, im Beiwagen thronte der beleidigte Kater und ertrug tapfer die albernen Blicke der Passanten.
Birgit hielt vor Ingrids Bank, klappte das Visier hoch und grinste: Na, Zeit für noch einen Kaffee? Walter nickte, blinzelte liebevoll zu Ingrid und dem Enkel, und in diesem kurzen Moment verband ein Lachen die ganze kleine Gruppe ein Band aus Erinnerung, Hoffnung und einem stillschönen Jetzt.
Da war kein großer Applaus, kein dramatischer Schlusspunkt, nur das leise Versprechen eines neuen Morgens: Das Leben, so unvollkommen es auch ist, bleibt ein Geschenk. Birgit atmete tief ein, dankbar für alles Vergangenheit, Gegenwart, das Unsichere dazwischen.
Ob sie wohl je wieder ans Meer fahren würden? Vielleicht. Aber für heute reichte der glitzernde Fluss, ein Kinderlachen, die Wärme einer Tasse Kaffee. Und die Sonne über dem Balkon versprach: Morgen früh beginnt alles wieder von vorn.




