Anscheinend stand es nicht im Stern geschrieben

Das war wohl Schicksal

Junger Mann, was machen Sie da? Schämen Sie sich denn gar nicht?! Mit entsetzten, eisblauen Augen starrte die junge Frau auf Andreas, der so überrumpelt war, dass ihm die Worte fehlten.

Es ist … Sie verstehen das völlig falsch stammelte Andreas, der sich vergeblich zu erklären versuchte.

Doch die Frau wollte von Rechtfertigungen nichts wissen. Sie trat einfach vor, nahm entschlossen ihr Portemonnaie zurück und verpasste ihm eine schallende Ohrfeige.

*****

Seit gestern Abend bis in den frühen Morgen hatte Andreas nichts anderes getan, als sich mit Kaffee wach zu halten und mit DeineSchöne79 im Chat zu schreiben.

Er hatte mit einem eher uninspirierten Hallo! eröffnet, sie hatte geantwortet, dann plätscherte das Gespräch erst, wurde aber bald lebendig und leicht.

Es war so unkompliziert, so mühelos, ihre Finger tanzten förmlich über die Notebook-Tastatur, dass Andreas das Gefühl bekam, mit dieser charmanten, blauäugigen Blondine (er hoffte inständig, das Profilfoto sei echt) könnte es wirklich etwas werden. Freundschaft oder mehr das war schon fast zweitrangig.

Wichtiger war, dass sie offenbar bereit war, ihn näher kennenzulernen. Auf seine Einladung: Wollen wir uns bald mal auf einen Kaffee in der Stadt treffen und uns ein bisschen besser kennenlernen? antwortete sie: Könnte gut sein…, was sie prompt mit einem zwinkernden Smiley versah.

Dann fragte sie nach seinem Beruf und …

… ab da lief alles irgendwie aus dem Ruder.

Warum musste ich auch so ehrlich sein? Habe ihr auch noch ein Foto vom Serverraum geschickt… ärgerte sich Andreas über sich selbst.

Nicht über die Frau sondern über sich.

Andererseits …

Sie hätte sowieso früher oder später die Wahrheit erfahren. Was dann? Was dann, Andreas?

Antworten musste er nicht, die Wahrheit lag offen vor ihm.

Sie hätte abgelehnt oder, noch schlimmer, es ihm direkt ins Gesicht gesagt: Das, was sie jetzt auch geschrieben hatte.

Noch einmal las er die Nachricht, in der stand, dass ein Systemadministrator, der in seinem Bürostuhl Jeans durchscheuert, wohl wenig Chancen auf dem Liebesmarkt hätte. Andreas wollte gerade ein paar scharfe Worte tippen …

Doch dann hielt er inne. Zu viel der Ehre, schrieb er ihr. Soll sie doch glauben, es kümmere ihn kein bisschen.

Also schickte er einfach nur noch einen Lachsmiley mit Tränen und klappte anschließend kraftvoll den Laptop zu.

Richtig fest. Für alle Admins, denen reihenweise Körbe aus so einem Grund erteilt werden.

Er meinte fast, unter der Klappe habe es geknackt. Vielleicht das Display. Oder nur eine Taste. Kontrollieren wollte er es lieber nicht, noch mehr Frust musste nicht sein. Davon hatte er genug, wie man so sagt …

Drei Monate schon scrollte er nun durch Dating-Profile, hoffend, dort die Eine zu treffen …

Und je länger er saß, desto mehr wuchs seine Überzeugung: Das führt zu nichts. Sie wird er hier niemals finden.

Die letzte Nacht wieder stundenlang geschrieben, und wieder: abgelehnt.

Wie so viele andere Frauen, die anscheinend nur die als lebenswert einstufen, die entweder ihr eigenes Unternehmen führen und nicht bloß Windows auf Arbeitsplatzrechnern installieren.

Und dabei machte er ja noch viel mehr! Aber was spielte das jetzt noch für eine Rolle?

Um sich von dunklen Gedanken abzulenken, schaltete Andreas das Retro-Radio ein und prompt lief der Song von Marianne Rosenberg:

Sie war nicht für mich bestimmt, sie war nicht für mich … offenbar gibt es keine Liebe … offenbar gibt es keine Liebe …

Er stellte das Radio sofort ab. Doch innerlich gab er zu: Das Schicksal schlägt anderswo zu, und das Es war wohl nicht bestimmt begleitete ihn als stilles Mantra.

Wieso habe ich mich bloß auf diese Dating-Seiten eingelassen? Was für eine Zeitverschwendung …

Aber ein Versuch musste sein. Immerhin war es sein Freund Michael gewesen, der ihm das empfohlen hatte.

Ich hab meine Silke auch dort kennengelernt! hatte Michael stolz gesagt. Sogar so stolz, dass es Andreas kurz stach …

… und vielleicht ein bisschen neidisch war.

Was kann ich weniger als Michael? Warum finde ich keine Silke?

Scheinbar gab es nur einen unter einer Million, der das Glück der Dating-Seiten fand und das war Michael.

Andreas dagegen musste sich wohl damit abfinden, dass Systemadministratoren derzeit nicht im Trend lagen. Oder dass es Schicksal eben nicht wollte.

So, jetzt reichts mit dem Selbstmitleid! befahl sich Andreas. Vielleicht hätte es mit der da sowieso nie geklappt …

Er schaute auf die Uhr halb acht. Gähnte kräftig. Heute hatte er frei und nichts wirklich Wichtiges vor.

*****

Kaum hatte Andreas sich ins Bett gelegt und wollte sein Handy stumm schalten, klingelte eben dieses: Michael.

Na, der kommt wie gerufen.

Andreas, hey! Hör zu, ich brauch echt dringend deine Hilfe.

Moin, Micha, Andreas gähnte noch einmal. Ich hatte eine schlaflose Nacht und wollte gerade pennen. Kanns nicht bis später warten?

Leider nein. Es ist wirklich wichtig. Ich vertrau halt keinem so wie dir. Es geht auch nicht um Leben und Tod, aber… wenn du mir nicht hilfst, könnte mein zartes Familienglück in Scherben gehen.

So hat er einen schnell herumgekriegt. Cheftrick. Ich unter er der IT-Leiter.

Was ist passiert? Wieder ein Datenbank-Crash? Ich hab gesagt, das passiert …

Nein, diesmal gehts nicht ums Büro. Lass mich einfach gleich vorbei kommen, ich erklärs dir vor Ort. Geh nur noch nicht weg!

In Ordnung.

Nur zwei Minuten später klingelte es an der Tür, und Andreas, eigentlich noch im Halbschlaf, öffnete. Michael grinst ihn an und neben ihm … stand Barney.

Und was schleppt er den Hund jetzt an?

Oh, das ging aber fix grinste Andreas. Standest du schon vorm Haus, hm? Nur gewartet, bis ichs abnehme?

Erwischt lachte Michael und reichte ihm … einen Lederhundeleinen.

Andreas, noch im Glauben, ein Handschlag sollte folgen, griff zu. Doch Michael drückte ihm stattdessen den Karabiner von Barneys Leine in die Hand.

Ähm … wie bitte?

Pass auf, mein Lieber: Silke hat eine Italienreise gewonnen! Sie will natürlich nur mit mir fliegen, nicht allein. Und sie hat sogar angedroht, falls ich nicht mitkomme, bleibt sie gleich ganz dort …

Wow lachte Andreas mit Blick auf Barney, der ihn mit durchdringendem Hundeblick betrachtete. Als hätte ich ihr was versprochen …

Er ahnte schon, worauf das hinauslief.

Ich lass sie natürlich nicht allein fliegen … und mit Freundinnen auch nicht, die kenn ich ja! Also hab ich versprochen: Wir fahren gemeinsam, also … fliegen.

Und wie schauts im Büro aus?

Mein Chef war ausnahmsweise großzügig: Herr Wagner, Sie brauchen Urlaub! Kannst du dir das vorstellen?

Kaum lachte Andreas. Zwei Jahre ohne echten Urlaub, nach außen alles ok, aber wir sitzen alle im Büro fest.

Da war ich selbst baff. Aber egal. Du bist in meiner Abwesenheit übrigens Chef im IT-Team!

Ach, wie herrlich …

Nur … Barney kann ich nicht mitnehmen. Kannst du auf ihn aufpassen?

Michi … du weißt doch, wie ich zu Hunden stehe. Null Erfahrung!

Keine Angst. Futter, Napf, Hundebett bring ich dir gleich. Er macht keinen Ärger, braucht nur morgens und abends Gassi. Geld biete ich nicht an ich kenn dich aber ich kann dir ein paar Tage freigeben.

Und er … beißt nicht? Zerkaut nicht meine Sneakers? Jault nicht nachts?

Nie! Barney ist superbrav. Glaubs mir! Nur eines auf der Wiese zieht er gern los. Mag keine Leine, will frei sein.

Und ich kann ihn dann durch die halbe Stadt suchen?

Nein, ganz im Ernst Barney findet dich. Lässt sich austoben und kommt immer zurück. Aber pass trotzdem auf, man weiß ja nie.

Na gut. Ich machs. seufzte Andreas und hielt die Leine entschlossen fest.

Michael war noch nicht mal weg, da fühlte Andreas schon die Verantwortung für das zottelige Geschöpf.

Ich wusste, auf dich ist Verlass. Danke, mein Lieber!

Aber pass auf: Wenn Barney mir die Wohnung zerlegt, zahlst du den Schaden!

Ehrenwort. Aber das passiert nicht.

*****

Als Andreas wieder zu sich kam, dämmerte es draußen bereits. Er füllte den Napf mit Trockenfutter und schob ihn dem Hund hin, der während Andreas Tiefschlaf brav und leise auf dem Teppich lag.

Na, gibts Abendessen? Wird doch Zeit. Andreas kraulte Barney über den Kopf.

Doch der Hund schaute ihn nur verständnislos und beinahe menschlich an … und blieb liegen.

Nicht hungrig oder …?

Ach ja richtig, erinnerte sich Andreas, Micha sagte ja, du isst nur nach dem Spaziergang.

Gut, dann gehen wir raus. Etwas frische Luft braucht auch der Mensch. Und vielleicht seh ich heute mal glückliche Paare, denn in Sachen Liebe … Der Satz blieb in der Luft liegen.

Barney schien so etwas wie Zustimmung zu äußern, sprang auf, wedelte mit dem Schwanz, schnappte sich die Leine und wartete an der Tür.

*****

Eine gute Stunde liefen sie durch die Stadt, und erstaunlicherweise: Der Hund tat keinen einzigen Versuch zu entwischen.

Nur wenn Andreas stehenblieb, zerrte er kräftiger an der Leine, so als wollte er sagen, dass das Leben weiterginge.

Alles ganz easy also zu leicht für all die Sorgen, die Andreas sich machte.

Die Probleme kamen allerdings am Tag darauf.

Morgens war alles gut, aber als Andreas Barney am Abend im Stadtpark ausführen wollte, da …

… da ließ er Barney nur einen Augenblick aus den Augen, als er Michael eine Nachricht tippte: Alles im Lot und plötzlich war der Hund weg. Ganz einfach aus dem Halsband geschlüpft.

Das hat mir gerade noch gefehlt … murmelte Andreas und lief suchend los.

Im Park kannte er sich aus, aber was so einem Hund einfiel, konnte er nicht vorhersehen.

Eine halbe Stunde schon irrt er umher, als er am Teich ein blondes Mädchen bemerkte.

Wunderschön, nur schien sie traurig.

Entschuldigen Sie, haben Sie hier zufällig einen Hund gesehen? Nicht groß, rotbraunes Fell, weiß gefleckt.

Wie bitte? Die Frau wirkte überrascht, dass Andreas sie überhaupt ansprach.

Wie wunderschön sie ist … dachte Andreas, fing sich aber blitzschnell und wiederholte die Frage.

Einen Hund ohne Halsband, allein?

Nein, tut mir leid, antwortete sie, drehte sich um und ging weiter.

Andreas wollte weiter, drehte sich aber nach ihr um und griff nach einer letzten Spur.

Geht es Ihnen gut? Sie wirken etwas traurig … kann ich helfen?

Schwer zu sagen …

Vielleicht kann ich was tun?

Wohl kaum. Hab mein Portemonnaie verloren, das Geld war für Mamas Medikamente… Haben Sie zufällig etwas gefunden?

Nein, leider.

Schade. Trotzdem danke. Es ist schön, dass es noch hilfsbereite Menschen gibt.

So gingen sie jeder ihrer Wege. Ob sie an diese Begegnung dachte, wusste Andreas nicht. Aber er vergaß die Frau nicht mehr. Nicht einfach eine von vielen, sondern eine ganz besondere.

BARNEY! rief Andreas in die Dämmerung, dann setzte er sich enttäuscht auf die Bank, griff nach seinem Handy und plötzlich tauchte am Horizont ein Hund auf.

Barney! Andreas seufzte erleichtert.

Barney wedelte, lief direkt zu ihm mit etwas im Maul.

Ein Portemonnaie. Rosa, mit kleinen Rauten und einer goldenen Krone in der Mitte. Genau, wie das Mädchen es beschrieben hatte.

Das kann doch kein Zufall sein …, jubelte Andreas innerlich. Schon sah er sich als Held, der die Märchenprinzessin rettet.

Er schlug den Geldbeutel auf vielleicht lag ein Zettel mit Kontaktdaten drin.

In dem Moment stand sie unerwartet wieder vor ihm.

Sagen Sie, was machen Sie da? Schämen Sie sich denn nicht?!

Andreas erstarrte vor Überraschung. Das sah wirklich total falsch aus.

Das ist alles ganz anders… stammelte er hilflos. Ihr Hund hat den Geldbeutel gebracht…

Die Frau wollte nichts hören. Entschlossen trat sie vor, riss ihr Portemonnaie an sich und knallte ihm eine Ohrfeige.

Wofür das? Ich wollte nur helfen! Der Hund hats gebracht!

Ich dachte, Sie seien ein ehrlicher Mensch. Schon traurig, wie tief manche sinken. Und als ob es diesen Hund überhaupt gäbe!

Wie meinen Sie das?

Wo IST Ihr Hund?!

Verblüfft blickte Andreas sich um Barney war prompt wieder spurlos verschwunden. Schon wieder abgetaucht!

Die Frau verschwand wortlos. Er blieb sitzen, sein Gesicht brannte.

Was für ein verflixter Tag … seufzte Andreas.

Barney sprang in diesem Moment aus dem Dickicht, setzte sich neben ihn und blickte treuherzig auf ihn.

Danke auch, mein Freund. Wirklich ganz toll.

Barney wedelte kaum sichtbar. Immer wieder gern stand in seinem Blick.

Zusammen gingen sie heim.

*****

In den nächsten Tagen kamen Andreas und Barney weiter jeden Abend in den Park, in der Hoffnung, die Fremde wiederzusehen.

Er wollte sich unbedingt entschuldigen. Doch sie tauchte nicht mehr auf. Stattdessen freute sich Barney über Extrazeit auf der Wiese.

Erstaunlich: Jetzt blieb er stets brav bei Andreas.

Am Freitag dann endlich: Da saß sie auf der Bank.

Guten Abend …

Sie schon wieder? Was wollen Sie denn noch?

Ich will nur alles erklären. Es war wirklich ganz anders …

Ich rede nicht mit Dieben. Sparen Sie sich Ihre Rechtfertigungen.

Ach wirklich, wie komm ich auf Diebstahl? Ich habe Ihnen das Portemonnaie zurückgegeben.

Was? Ich habs mir SELBST aus Ihrer Hand genommen! Gut, dass ich rechtzeitig da war, sonst hätten Sie bestimmt das Geld für sich genommen. Das war übrigens für Medikamente.

Ich brauch Ihr Geld nicht, ich verdiene genug. Ich habe nach einem Zettel gesucht, wollte Sie anrufen! Und im Ernst, mein Hund hats wirklich gebracht …

Jetzt reichts aber mit der Hundegeschichte! Den gibts doch gar nicht!

Wieso gibts den nicht? Da ist er doch! Andreas zog an der Leine … doch wieder hatte sich der schlaue Hund, ohne dass er es merkte, aus dem Halsband gezogen.

Fluchend zog Andreas los, um den Ausreißer wiederzufinden noch vor Einbruch der Dunkelheit.

Entschuldigen Sie, ich muss wirklich los … sagte er leise, enttäuscht über das verpatzte Gespräch.

Das Mädchen war gerade erleichtert.

Ich hoffe, wir sehen uns nie wieder!

*****

Barney blieb bis zur Dunkelheit verschwunden. Andreas streifte allein durch eine abgelegene Allee, jede Bewegung im Laub ließ ihn aufschrecken.

Typisch, der Hund verschwindet immer, wenns wichtig ist …, dachte er.

Plötzlich hörte er Stimmen eine weibliche, zwei männliche. Die weibliche stach sofort ins Ohr: Die Fremde. Die Männer hingegen … unangenehm.

Na, Schöne, willst du uns Gesellschaft leisten? Dir ist doch kalt.

Meine Freundin kommt gleich, lasst mich bitte in Ruhe …

Na, dann wird die gleich mitgewärmt! gröhlte der andere.

Noch ein Wort, und ich ruf um Hilfe! sagte die Frau unsicher.

Hilf ruhig, keiner hört dich hier. Oder sollen wir dich holen?

Kommen Sie nicht näher! schrie die Fremde panisch.

Jetzt musste Andreas handeln. Er lief los.

Was soll das hier? Lasst das Mädchen in Ruhe! rief er, so entschlossen er konnte. Die Typen waren muskulös, das sah er genau.

Was willst DU denn? Wo kommst du überhaupt her? grunzte einer.

Ich … ich … bin ihr Freund! Und übrigens, hier kommt gleich mein Hund. Der ist nicht harmlos, passt gut auf! Er schwang die Leine.

Die beiden zögerten lächelten dann schief.

Ach, red du nur …

Doch plötzlich knurrte es wild aus dem Gebüsch. So bedrohlich, dass selbst Andreas schluckte.

Die Typen beschlossen, nicht auszuprobieren, wie böse dieser Hund sein könnte, und trollten sich.

Kaum waren sie weg, sprang Barney auf den Weg, kam zu Andreas, setzte sich hin und wedelte glücklich mit dem Schwanz.

Danke, mein Freund, Andreas streichelte ihn erleichtert und befestigte das Halsband wieder.

Das ist wirklich Ihr Hund? fragte die Frau fassungslos.

Ja, das ist Barney. Eigentlich nicht mein Hund ich passe nur darauf auf, während mein bester Freund Urlaub macht.

Sie … haben mich also wirklich nicht belogen?

Nein, keine Spur. Barney hat wirklich Ihr Portemonnaie angeschleppt! Wie gesagt, er ist sehr schlau. Nur taucht er immer dann ab, wenns drauf ankommt.

Und warum hat er sich im Gebüsch versteckt?

Tja, er wusste: Wenn er gleich um die Ecke kommt, schrecken die Typen vielleicht nicht zurück. Barney, das ist eben kein Schäferhund …

Wirklich clever. Die Frau lacht endlich. Beißt er?

Nein, keine Sorge. Wollen Sie ihn streicheln? Ich bin übrigens Andreas. Und Sie?

Mein Name ist Annika.

Freut mich. Darf ich fragen, warum Sie so spät noch hier sind?

Wollte meine Freundin treffen, aber sie kam nicht, geht auch nicht ans Handy. Ich schätze, ich sollte einfach heimgehen.

Wäre es in Ordnung, wenn Barney und ich Sie noch nach Hause bringen? Nur zur Sicherheit.

Aber sehr gern …

*****

Seit diesem Abend spazieren Andreas und Annika jeden Tag gemeinsam im Park. Später begleiten sie einander auch noch den Heimweg allerdings inzwischen ohne Barney, denn Michael und seine Silke sind längst zurück aus Italien, und der Hund hat sein Elternhaus wieder.

Ohne Barney ist es schon ein wenig stiller. Der Gesprächsstoff reicht trotzdem. Und dennoch … als wäre da eine Lücke, etwas Entscheidendes fehlt.

Eines Abends, bei einem Spaziergang, springt plötzlich ein kleiner Welpe aus den Büschen, mit einem dicken Lederportemonnaie im Maul ganz offensichtlich von irgendeinem Geschäftsmann.

Der Welpe versteckt sich schnell hinter Andreas und Annika. Kurz darauf taucht ein Mann im Anzug auf.

Du kleiner Dieb! Gib sofort mein Portemonnaie her! schimpft er aufgebracht.

Sie geben das Portemonnaie zurück, behalten aber den kleinen Streuner.

Andreas setzt den Winzling auf die Bank und droht ihm augenzwinkernd mit dem Finger.

Wir machen aus: Nichts mehr stehlen, verstanden?

Der Welpe streckt die Zunge raus und schleckt Andreas über die Hand. Das galt wohl als Ja.

Seither verbringen sie ihre Abende zu dritt. Später sogar: gemeinsam unter einem Dach. Sie sind glücklich. Denn jeder fand, wonach er gesucht hat. Und falls …

Ach du kleiner Frechdachs! Gib sofort her!

Ein Schrei ganz in der Nähe. Andreas und Annika blicken sich an, und sehen Sherlock mit einem Hotdog im Maul zu ihnen rennen.

Warum Sherlock? Weil er alle Abenteuer aufspürt!

Jetzt rennt er schwanzwedelnd zu seinen Menschen dem Hotdog sicher zwischen den Zähnen.

Sollen wir rennen? fragt Andreas lachend.

Na los! kichert Annika.

Andreas legt fünfzehn Euro auf die Bank für den Hotdog.

Dann laufen sie los, Hand in Hand. Und Sherlock jagt mit seinem Hotdog nebenher Richtung neues Abenteuer.

So sieht echtes, haariges, manchmal verrücktes Glück eben aus …

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Homy
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Anscheinend stand es nicht im Stern geschrieben
Die Schwiegermutter hat es letztendlich doch geschafft!