Heute Morgen brachte eine 18-jährige junge Frau ein Mädchen zur Welt. Kurz danach schrieb sie einen Antrag, bestellte ein Taxi und verließ das Krankenhaus, ohne sich auch nur einmal umzusehen. Sie ahnte allerdings nicht, welch Überraschungsei auf das Neugeborene dort noch warten würde
Als mein Mann und ich abends, wild entschlossen und voller euphorischer Vorfreude, ins Krankenhaus fuhren, waren unsere Herzen übervoll. Das lag weniger an der deutschen Gründlichkeit in Sachen Familienplanung als an der Tatsache, dass Kind Nummer vier im Anmarsch war und wir damit bereits im Bundesdurchschnitt als kinderreiche Familie galten.
Unsere zweite und dritte Tochter die Zwillinge Charlotte und Frieda brachten schon im Vorfeld ordentlich Würze ins Leben. In unserer Familie hatte es zuvor noch nie Zwillinge gegeben, und die Überraschung war so groß, dass unser Standardspruch für die nächste Schwangerschaft lautete: Na, wer weiß, ob nicht wieder Doppelpack?
Unsere Eltern waren zwar sichtlich verblüfft, fanden aber trotzdem Zeit, uns in den ersten Tagen mit allem, was es zwischen Windeltorte und Kartoffelsalat gibt, zu unterstützen. Bereits beim zweiten Ultraschall kam die ernüchternde (und leicht erleichternde) Feststellung: Keine Zwillinge dieses Mal!
So wurde unser vierter Ninja ganz allein geboren. Alle Aufregung verpuffte also flott wie eine Berliner S-Bahn im Berufsverkehr. Wir quartierten uns direkt in ein gemütliches Einzelzimmer ein, für das mein Mann natürlich im Voraus gezahlt hatte immerhin wissen Deutsche, was sich gehört.
Nach einigen Stunden wurde mir mein Baby zum Stillen gebracht. Plötzlich stand Herr Dr. Kleinschmidt, der Chef der Station, mit sorgenvoll gerunzelter Stirn im Raum und murmelte: Wir haben ein kleines Problem
Heute Morgen, so erklärte er, hatte eben jene 18-jährige Lena-Magdalena ein Mädchen geboren. Kaum waren die Formalitäten erledigt, setzte sie sich in ein Taxi und verschwand Richtung Innenstadt von München.
Nach einer Geburt läuft frau üblicherweise nicht im Stechschritt davon, aber Lena-Magdalena schien ein schlechteres Verhältnis zu Krankenhausbetten zu haben als der durchschnittliche Versicherungsmakler zu Pfandflaschen. Uns blieb keine große Wahl sie wollte partout nicht länger bleiben.
Das kleine Mädchen war kerngesund, hätte sich in die Babygalerie gleich neben den süßen Paul oder die kleine Greta einsortieren lassen, und ich ertappte mich bei dem Gedanken: Du hast dir doch Zwillinge gewünscht vielleicht möchtest du dieses Schatzkind aufnehmen?
Wir könnten sagen, es war dein Baby Aber ich will doch nicht, dass das Kind in ein Heim kommt! Was ist das für ein Start ins Leben? Da zerbricht mir das Herz Sicher, das wäre alles ziemlich illegal gewesen.
Ein offizielles Adoptionsverfahren kann natürlich eingeleitet werden, dauert in Deutschland aber so lange wie ein bayrisches Volksfest und garantiert gar nichts. Währenddessen müsste die Kleine in ein Kinderheim.
So traurig das ist Ich war ehrlich gesagt ein wenig schockiert, als ich von den Umständen hörte. Ich kannte Schwester Hilde Buttermann die leitende Kinderkrankenschwester privat recht gut. Eine herzensgute, engagierte Frau, bei deren Messingschild an der Tür sämtliche Patienten gleich entspannter atmen.
Wahrscheinlich hat sie mir überhaupt erst von der Misere erzählt, weil sie wusste, dass ich zu sowas nicht nur einen Hang, sondern auch ein großes Herz habe.
Noch mal zusammengefasst:
Die junge Mutter wollte nach der Geburt sofort ihrer eigenen Wege gehen, das kleine Mädchen kam gesund und munter zur Welt, ein offizielles Adoptionsverfahren in Deutschland dauert ewig und Schwester Hilde handelte nur aus Mitgefühl, weil sie wusste, was auf das Baby zukommen könnte.
Fazit: Geschichten wie diese zeigen, wie kompliziert, zerbrechlich und gleichzeitig wunderbar leicht das Leben manchmal spielt insbesondere, wenn es um den Beginn eines neuen Lebens geht. Denn oft genug braucht es nicht nur Paragraphen, sondern Mut und Mitgefühl, um Menschen wirklich zu helfen. Diese rührende Geschichte erinnert daran, wie wichtig das Menschliche ist gerade, wenn die Umstände alles andere als einfach sind.




